CDU-Politiker hält Sperrzonen für unrealistisch

Berlin. In Berlin gibt es knapp 370 Bordelle; zusätzlich bieten Prostituierte ihre Dienste auf Straßenstrichen an. Das Rotlicht-Milieu breitet sich über alle Bezirke aus. Die meisten Bordelle gibt es in Tempelhof-Schöneberg, die wenigsten in Marzahn-Hellersdorf.

Beide Bezirke sorgten jetzt für Schlagzeilen. Tempelhof-Schöneberg, weil es immer wieder Beschwerden von Anwohnern über den Straßenstrich in der Kurfürstenstraße gibt, und Marzahn-Hellersdorf, weil Wirtschaftsstadtrat Christian Gräff (CDU) das Ziel ausgerufen hat, den ersten komplett bordellfreien Bezirk schaffen zu wollen.

Berlin ist im Vergleich mit anderen Bundesländern sehr liberal. Hier gibt es keine offiziellen Sperrbezirke für sexuelle Dienstleistungen. Grundsätzlich hat der Gesetzgeber festgelegt, dass Sperrbezirke für das gesamte Gebiet von Gemeinden bis 22 000 Einwohner gelten. In Städten und Bezirken mit mehr als 50 000 Einwohnern ist die Prostitution zugelassen, dort können aber Sperrbezirke für begrenzte Gebiete festgelegt werden. Die meisten großen Städte wie Frankfurt oder Stuttgart haben derartige Regelungen. Berlin nicht. Das sollte sich nach Ansicht von Stefan Evers, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, dann ändern, wenn Fehlentwicklungen festgestellt werden. "Sperrzeiten oder Sperrzonen sind zulässige Mittel", sagt er, weist aber darauf hin, dass er eine flächendeckende Regelung und ganze Sperrbezirke für unrealistisch hält. Trotzdem sollten Sperrzonen im Einzelfall diskutiert werden. Evers hat allerdings noch ein anderes Anliegen. Seiner Meinung nach müsste die Zahl der Wohnungsbordelle eingedämmt werden, denn das sei Wohnraum, der nicht als solcher genutzt wird. "Wenn Ferienwohnungen eine Zweckentfremdung sind, dann sind es Wohnungsbordelle auch", sagt Evers.


Jana Tashina Wörrle / jtw
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