Fördermittel für mobile Beratungsstelle laufen aus

Frostschutzengel und Sprachtalente: Marie-Therese Reichenbach (links) und Petra Schwaiger unterwegs am Kottbusser Damm. (Foto: Sylvia Baumeister)

Neukölln. Seit einem guten Jahr gibt es das Neuköllner Projekt "Frostschutzengel". Mitarbeiter einer mobilen Beratungsstelle, die viele Sprachen sprechen, kümmern sich in der ganzen Stadt vor allem um obdachlose EU-Bürger, die kaum Deutsch können. Weil die Förderung nur bis Ende März läuft, ist damit aber wohl bald Schluss.

Für obdachlose, Menschen, die sich in Neukölln aufhalten, sind in diesem Winter sehr schlechte Zeiten angebrochen. Zunächst fand die "Gebewo Soziale Dienste" die das Wohnungslosenheim "Die Teupe" in der Teupitzer Straße betreibt, keine neue Notunterkunft im Bezirk. Drei Winter lang hatte es eine täglich geöffnete Einrichtung mit 24 Schlafplätzen für Männer direkt neben der Teupe gegeben.

Nachdem die erneute Anmietung der Räume nicht mehr möglich war, suchte der Träger händeringend eine neue Bleibe. Fündig wurde man schließlich in Charlottenburg, wo die Gebewo eine Tagesstätte für Wohnungslose betreibt. In Neukölln stehen den Obdachlosen jetzt nur noch Notübernachtungen in zwei Nachtcafés zur Verfügung, die nur freitags oder sonnabends geöffnet sind.

Auch den "Frostschutzengeln" droht das Aus. Die Gebewo hatte das Projekt Ende 2013 gestartet, um Obdachlosen Beratungen in verschiedenen Sprachen anbieten zu können. "Vor allem in der Notunterkunft in der Teupitzer Straße waren wir häufig. Dort forderten uns die Mitarbeiter regelmäßig an", erzählt Frostschutzengel Marie-Therese Reichenbach.

Seit Beginn des Projekts beraten die Sozialarbeiterin und ihre Kollegin nicht nur Obdachlose zu Themen wie Arbeitsuche, Unterbringung oder medizinische Versorgung und vermitteln sie an gut vernetzte Beratungsstellen und Ämter weiter. Ebenso helfen sie den Mitarbeitern der Notunterkünfte dabei, Missverständnisse zu klären, Probleme zu erörtern oder zwischenmenschlich zu vermitteln. Dabei beherrschen sie viele Sprachen - von Lettisch und Russisch über Litauisch bis hin zu Bosnisch, Kroatisch, Serbisch, Englisch und Bulgarisch.

"Polnisch haben wir leider nicht mehr im Programm", sagen die beiden Sozialarbeiterinnen, die sich jetzt zu zweit knapp eineinhalb Stellen teilen. Finanziert wurden die Frostschutzengel bisher aus Stiftungsgeldern, Eigenmitteln des Trägers und mitUnterstützung des Neuköllner Unternehmens Märkisch Landbrot, das einen kleinen Betrag aus dem Verkauf seines dafür eigens hergestellten Engelsbrotes spendete.

Zwar ist der Senat bereit, ab September eine Kooperation mit der Gebewo einzugehen, um gemeinsam Anträge für EU-Mittel zu stellen, aber das Geld reicht nur noch bis Ende März.

Die Lücke könnte momentan nur durch ausreichend Spenden gefüllt werden. "Es wäre wirklich schade, wenn wir jetzt Schluss machen müssten", meint Geschäftsführer Robert Veltmann. "Die beiden Frauen leisten wirklich gute und wichtige Arbeit in der gesamten Stadt."

Weitere Informationen auf frostschutzengel.de und unter 463 03 90 25

Sylvia Baumeister / SB
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