Wie leben Geflüchtete in Pankow? Sören Benn besuchte Unterkünfte

In der Unterkunft an der Treskowstraße hörte sich Bürgermeister Sören Benn von Flüchtlingen an, wo ihnen im Alltag der Schuh drückt und was sie sich noch an Verbesserungen wünschen. (Foto: Bernd Wähner)
 
Ein Foto als Erinnerung: Sören Benn mit der afghanischen Familie Hanifi. (Foto: Bernd Wähner)

Pankow. Wie leben Flüchtlinge in Pankower Gemeinschaftsunterkünften? Das wollte der neue Bürgermeister Sören Benn (Die Linke) aus erster Hand erfahren.

„Ich möchte mir einfach mal selbst ein Bild machen. Wie sind die Menschen untergebracht? Was fehlt ihnen? Was bewegt sie? Welche Ängste haben sie?“, so der Bürgermeister. „Wenn ich selbst mit den Menschen geredet und mir Unterkünfte angesehen habe, weiß ich wenigstens, worüber ich spreche, wenn es um die Situation von Flüchtlingen in Pankow geht.“

Zum Amtsbereich des Bürgermeisters gehört auch die Pankower Flüchtlingskoordinatorin Birgit Gust. Sie wählte für den Besuch des Bürgermeisters ganz bewusst zwei Unterkünfte aus, die erst vor wenigen Wochen bezogen wurden: Storkower Straße 118 sowie Treskowstraße 15-16. In beiden leben Flüchtlinge, die zuvor in Notunterkünften untergebracht waren.

Die Unterkunft an der Storkower Straße in Prenzlauer Berg wird von der STK188 Immobilien GmbH betrieben. Sie befindet sich in einem Gewerbegebiet. Damit das Bürohaus als Unterkunft genutzt werden konnte, musste es umgebaut werden. Dass noch immer nicht alles so ist, wie es sein sollte, erfuhr Sören Benn beim Rundgang durch das Haus von den Flüchtlingen.

So gibt es zum Beispiel zu wenige Küchen und Toiletten auf den Etagen. Aus den Hähnen an den Handwaschbecken kommt nur kaltes Wasser. Das Umfeld ist nicht sonderlich attraktiv. „Aber auf jeden Fall ist es hier viel besser als in der Turnhalle, in der wir vorher waren“, sagt Mohamad Wahil Hanifi. Die Familie Hanifi, zu der neben den Eltern zwei Mädchen und zwei Jungen gehören, kommt aus Kabul in Afghanistan.

Alle sechs hoffen natürlich, dass ihrem Asylantrag stattgegeben wird. Die Kinder lernen bereits die deutsche Sprache und gehen zur Schule. Ihre größte Angst ist es, nicht bleiben zu können. Neben Flüchtlingen aus Afghanistan sind im Haus an der Storkower Straße viele Menschen aus Syrien und dem Irak untergebracht. Insgesamt leben dort 432 Geflüchtete.

In den Gesprächen zwischen Flüchtlingen und Bürgermeister geht es um Themen wie das Dolmetschen bei Arztbesuchen oder die Frage, wo es für Flüchtlingskinder die Möglichkeit gibt, eine Kita in ihrem Umfeld zu besuchen. Auch die Suche nach einer Wohnung und einem Job beschäftigt viele Flüchtlinge.

Solche und ähnliche Themen wurden an den Bürgermeister auch in der Heinersdorfer Unterkunft an der Treskowstraße herangetragen. Derzeit wohnen dort 514 Flüchtlinge. Betrieben wird die Unterkunft vom Unionhilfswerk. Sie befindet sich in einem Neubau, und der Betreiber konnte beim Eigentümer seine Umbauwünsche anmelden. So verfügen die Zimmer zum Beispiel über eine eigene Nasszelle. Außerdem gibt es einen großen Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss. In Gesprächen lobten die Flüchtlinge vor allem das Engagement der Mitarbeiter und freiwilliger Helfer. Diese bieten den Flüchtlingen die Woche über eine ganze Reihe von Projekten an – von der Näh- und Fahrradwerkstatt über ein Bewerbungscoaching bis hin zu Deutsch-Konversation.

Häufige Probleme der Unterbringung, das machte der Bürgermeister in seinen Gesprächen immer wieder klar, könne er nicht beeinflussen. Dies sei Sache des Senats. Sehr wohl könne er aber auf Probleme hinweisen und Fragen ansprechen, die die Flüchtlinge haben. BW
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