Die Behindertenvereinigung Prenzlauer Berg löst sich auf

Ute Schnur ist Gründungsmitglied und seit vielen Jahren Vorsitzende der Behindertenvereinigung. (Foto: Bernd Wähner)

Prenzlauer Berg. Die Behindertenvereinigung Prenzlauer Berg löst sich Ende des Jahres auf. Diesen Beschluss fasste vor wenigen Tagen die Mitgliederversammlung des Vereins.

Diese Vereinigung ist eine Gründung der Wendezeit. Während des Umbruchs in der DDR wollten sich behinderte Menschen, deren Freunde und Angehörige eine Vertretung schaffen, mit der sie politisch und gesellschaftlich aktiv werden konnten. So entstand neben anderen Vertretungen 1990 die Behindertenvereinigung Prenzlauer Berg.

Von Anfang an setzte sie sich dafür ein, dass Verbesserungen für Menschen mit Handicap erreicht werden. „Auf Betreiben der Behindertenvereinigung und anderer Verbände wurde auch ein Behindertenbeauftragter im Bezirksamt eingesetzt und ein Behindertenbeirat gegründet“, sagt die Vorsitzende der Behindertenvereinigung, Ute Schnur. Sie ist von Anfang im Verein aktiv.

Für ihre Mitglieder baute die Behindertenvereinigung die Begegnungsstätte „KOMM“ an der Pasteurstraße 16 aus. Sie wurde zu einem beliebten Treffpunkt für Literatur-, Kunst-, Sport- und Spielgruppen. All dies geschah mit Förderungen von Senat und Bund. Weiterhin konnte eine Sozialarbeiterin zur Beratung von behinderten Menschen in sozialen Fragen eingestellt werden.

„Über die Jahre hinweg verlor die Behindertenvereinigung jedoch mehr und mehr an Mitgliedern“, erkläre Ute Schnur. So schrumpfte die Mitgliederzahl von einst 150 auf derzeit 38. Weil dem Verein auch Fördermittel gekürzt wurden, übergab er vor einigen Jahren bereits die Begegnungsstätte „KOMM“ an den Verein Einhorn. Die Behindertenvereinigung ist seitdem Untermieter in diesen Räumen.

Die Vorstandsarbeit ruht heute nur noch auf wenigen Schultern. Es fehlen schlicht Jüngere. Vor wenigen Tagen war die heutige Situation Thema der Mitgliederversammlung. „Der Vorstand berichtete über die geleistete Arbeit und ebenfalls über die finanziellen und personellen Probleme der Vereinigung“, sagt Ute Schnur. „Schließlich kam die Mitgliederversammlung zu dem Schluss, die Behindertenvereinigung bis zum Ende des Jahres 2016 aufzulösen. Dieser Beschluss wurde mit nur zwei Gegenstimmen gefasst, und es ist keinem Mitglied sehr leichtgefallen.“ Es wurden außerdem Vorschläge zur Zukunft der Gruppen diskutiert, berichtet die Vereinsvorsitzende. Das Fazit: Alle Gruppen können sich weiterhin im KOMM oder auch in einer anderen Begegnungsstätte treffen, sodass die Gemeinschaft der Mitglieder erhalten bleibt. BW
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