Vom Jugendklub zum Kulturzentrum: Die Weißenseer Brotfabrik wird 25 Jahre alt

Jorg Fügmann ist seit einem Vierteljahrhundert Geschäftsführer der Brotfabrik am Caligariplatz. (Foto: BW)

Weißensee. Die Brotfabrik am Caligariplatz kann dieser Tage auf ein Vierteljahrhundert als Kulturzentrum zurückschauen.

Ursprünglich wurden dort Brötchen gebacken. 1890 eröffnete Bäckermeister Kohler auf dem Grundstück seine Landbrotbäckerei. 1914 entstand dann die eigentliche Brotfabrik. Nachdem 1952 der letzte Bäcker nach Westberlin flüchtete, wurde das Haus als Selterswasserfabrik und später als Lager genutzt. Mitte der 80er-Jahre begann sich die Kunsthochschule Weißensee für das Gebäude zu interessieren. Sie wollte einen Jugendklub einrichten. 1986 eröffnete dieser in kommunaler Trägerschaft.

Seitdem ist das Haus ein Ort der Kultur. Schon zu DDR-Zeiten gab es Ausstellungen, Theater und Konzerte. "In der Wendezeit ergaben sich dann aber ganz neue Möglichkeiten", erinnert sich Jörg Fügmann. Er leitete damals den Jugendklub. Heute ist er gemeinsam mit Iris Bauer Geschäftsführer des Hauses. "Wir probierten etwas Neues aus. Wir wollten weg von zentralen Strukturen. Nicht mehr die Klubleitung sollte alles allein organisieren." Außerdem sollte das Programm noch mehr in die Tiefe gehen. "Bis dahin war ich als Leiter für Theater, Kino, Musikveranstaltungen und Ausstellungen zuständig", so Fügmann. "Wir wollten aber für jede dieser Säulen einen Spezialisten, der alles koordiniert."

Ziel war es, aus dem Jugendklub ein Kulturzentrum zu entwickeln. "Im Weststeil der Stadt und quer durch die alte Bundesrepublik gab es bereits Kulturfabriken. Wir sahen uns einige an. Vor allem von der Brotfabrik in Bonn bekamen wir Inspirationen", so Fügmann. Gemeinsam mit einem Beirat wurde ein Konzept für ein Kulturzentrum entwickelt. Dafür gab es grünes Licht vom Runden Tisch und vom damaligen Rat des Stadtbezirks. Und im Mai 1990 ging das Kulturzentrum Brotfabrik Weißensee offiziell an den Start.

Problematisch war anfangs, dass alle Veranstaltungen in einem Multifunktionsraum stattfanden. "In diesem wurde abends zunächst Theater gespielt. Danach ist alles abgebaut und das Kino aufgebaut worden", erinnert sich Fügmann. Im November 1990 gründeten die engagierten Nutzer und Unterstützer der Brotfabrik den Verein Glashaus, der noch heute Träger des Kulturzentrums ist. Das gesamte Haus konnte vom Bezirksamt gemietet werden. Es begannen Umbauarbeiten. 1991 wurde das Kino eröffnet. In der Remise wurde später eine Galerie eingerichtet. Theaterräume kamen hinzu. Neben der Kneipe gibt es schließlich den Roten Salon für Lesungen und Foren.

Auch die Spezialisten wurden gefunden. Zu diesem gehört der Filmfachmann Claus Löser. Er ist bereits seit 1986 mit dem Haus verbunden und organisiert von Anfang an das mehrfach preisgekrönte Kinoprogramm. Petra Schröck kümmert sich seit vielen Jahren um die Ausstellungen, und Nils Foerster ist der Chef des Theaters. Ganz neu mit im Boot ist Alexander Graeff, der sich künftig um Literaturveranstaltungen im Hause kümmern wird.

Noch immer ist die Brotfabrik Mieter in dem Gebäude, das dem Bezirk gehört. Seit einigen Jahren strebt der Trägerverein aber an, einen Erbbaurechtsvertrag mit dem Bezirksamt auszuhandeln. Das würde auch eigenständige Investitionen ermöglichen. Doch bisher kam man mit diesem Thema nicht weiter.

Auch wenn die Brotfabrik inzwischen gut läuft, entspannt zurücklehnen könne man sich nicht, so der Geschäftsführer. "Wir sind am Caligariplatz in einer Randlage. Deshalb müssen wir ständig um Aufmerksamkeit kämpfen."

Weitere Informationen gibt es auf www.brotfabrik-berlin.de.

Bernd Wähner / BW
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