Was machen Menschen mit Räumen und Räume mit Menschen?
"Kunst im Stadtraum" am Hansaplatz

Die "Hansaoper" soll unter freiem Himmel aufgeführt werden.
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  • Die "Hansaoper" soll unter freiem Himmel aufgeführt werden.
  • Foto: Ulf Aminde
  • hochgeladen von Karen Noetzel

Von Mai bis Ende Oktober wird es am Hansaplatz Spektakuläres zu sehen und zu erleben geben. Dann findet nämlich „Kunst im Stadtraum“ statt, das Berliner Pilotprojekt, das sich der Beratungsausschuss Kunst der Senatskulturverwaltung ausgedacht hat und gemeinsam mit dem Bezirksamt im Hansaviertel umsetzen wird. Auf das Ereignis kann man sich bis Ende April in der Hansabibliothek, Altonaer Straße 15, einstimmen.

Dort werden montags und freitags, 13 bis 19.30 Uhr, sowie dienstags bis donnerstags, 12 bis 18 Uhr, in einer Plakatausstellung die Ideen von Künstlerinnen und Künstlern vorgestellt, die sich in im Dezember in einem Kunstwettbewerb durchgesetzt haben. Die Fragestellung an die Teilnehmer lautete: Was machen Menschen mit Räumen und Räume mit Menschen? Die Antworten der Kunstschaffenden, die am Projekt beteiligt sein werden, sind vielschichtig und spannend, mythisch, archaisch, romantisch, politisch.

Ulf Aminde sammelt in Kooperation mit Christoph Grund für einen Film Stimmen aus dem Hansaviertel und der Karl-Marx-Allee. Der Film mit dem Titel „deutsche wohnen – was singen die diven“ soll, so die Wunschvorstellung Amindes, am Hansaplatz unter freiem Himmel mit Livemusik, Sängerinnen und Sängern stattfinden; eine „Hansaoper“. Bisher habe er vom Grünflächenamt noch keine Zusage erhalten, so Ulf Aminde. Man wundert sich. Die politische Chefin des Grünflächenamtes, Sabine Weißler (Grüne), ist gleichzeitig Kulturstadträtin. Bei einer Absage würde der Künstler in die Einkaufspassage am Hansaplatz oder ins Gripstheater ausweichen. Das war ursprünglich ein Kino.

Alpenpanorama und Schafe

Mit reichlich viel Symbolik spielt Esra Ersen. Sie wird an verschiedenen Stellen des Hansaplatzes Holzskulpturen aufstellen. Sie stellen ein Haus, ein Boot, eine Kanzel und einen Turm dar. Esra Ersen nennt sie „Makam“, was im Arabischen soviel bedeutet wie „ein Ort, auf dem etwas errichtet wird“. Begleitet werden die Installationen von Vorträgen, die sich mit historischen, sozialen und technischen Epochenwechseln und (Um)brüchen beschäftigen.

Vom Stadt-Land-Gegensatz lebt das Projekt „Nachbarn auf Zeit“ von Folke Köbberling. Es beginnt mit dem Zug von 200 Schafen entweder von Schloss Bellevue oder vom Großen Stern zum Hansaplatz. Die Woll-, Milch- und Fleischlieferanten kommen mit ihrem Schäfer Knut Kucznik, einem der letzten Wanderschäfer aus Brandenburg. Aus der Herde bleiben fünf Tiere für vier Wochen auf der Grünfläche an der Hansabibliothek. Es haben sich bereits fünf Familien aus dem Viertel gefunden, die auf die kleine Herde aufpassen und eine Patenschaft für sie übernehmen. Ein umgebauter Container dient als Stall.

Gleichzeitig wird Folke Köbberling 400 Kilogramm Rohwolle der geschorenen 200 Schafe neben der Hansabibliothek auftürmen. „Das archaische Bild der Wolle bildet einen Gegensatz zur modernen Stadt von morgen“, erklärt die Künstlerin. Anwohner werden in Gemeinschaftsarbeit die Rohwolle zu Wolldecken filzen. Was mit den Decken geschieht, entscheiden die Akteure.

Was Berlin fehlt, ist ein Berg. Also schafft Jan Köchermann einen heran. Der Hamburger Künstler wird am Wasserbecken vor der Hansabibliothek eine Bergkulisse in Form des Matterhorns installieren. Beleuchtet von einer gewöhnlichen Straßenlaterne, gespiegelt im Bassin, könnte es der Installation gelingen, dem Betrachter, der frontal davor steht, ein romantisches Alpenpanorama vorzugaukeln.

"Bringt ein paar Stühle mit"

Im unteren Teil des „Berges“ geht es dreieinhalb Meter „tief“ in eine Höhle. Sie stehe als Urform der menschlichen Behausung den Wohneinheiten im Viertel gegenüber, so der Künstler. In einem kleinen Souvenirladen gegenüber dem „Berg“ werden Postkarten und Ausgaben der „Höhlenzeitung“ mit Meinungen von Anwohnern verkauft, die gefragt wurden, wie sich das Hansaviertel verändert, wenn plötzlich ein riesiger Berg vor der Haustür steht.

„Bringt ein paar Stühle mit“, lautet die Aufforderung von Kristina Leko und David Smithsons. Im Mittelpunkt ihrer Bodeninstallation im Freien steht das einstige Konzept des Niemeyer-Hauses und des van-den-Broek-Hauses, das ein gemeinschaftliches Miteinander vorsah. Die Installation zeichnet die Grundrisse der Wohnungen nach. Dort sollen Workshops und Veranstaltungen stattfinden.

Mehr Informationen zum Kunstprojekt auf www.kunst-im-stadtraum.berlin.

Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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