Etwas zurück geben: Integrationsprojekt „Zwischen Himmel und Erde“ geht weiter

Die Gruppe junger Männer aus der Prisod-Unterkunft in Reinickendorf streicht bald in der Ellef-Ringnes-Schule die Wände und Flure.
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  • Die Gruppe junger Männer aus der Prisod-Unterkunft in Reinickendorf streicht bald in der Ellef-Ringnes-Schule die Wände und Flure.
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Heiligensee. Passend zum Anlass sorgte die Frühlingssonne für den ersten richtig lauen Nachmittag: Mit einem Hoffest feierte die Ellef-Ringnes-Grundschule Im Erpelgrund am 30. März den Auftakt einer großen Renovier-Aktion. Die ist gleichzeitig Teil des Integrationsprojekts „Zwischen Himmel und Erde“, das damit in die zweite Runde geht.

Hinrich Westerkamp hält buchstäblich das Heft in der Hand – mit Seiten voller Zahlen. „Wir haben alles ausgemessen und ausgerechnet“, sagt der grüne Bezirksverordnete und Initiator des Netzwerks „Willkommen in Reinickendorf“, kurz WIR. „Wir streichen hier 2400 Quadratmeter Wand und brauchen dafür etwa 300 Liter Farbe.“

Wir oder WIR – das sind in diesem Fall: Eltern, Lehrer und Nachbarn der Ellef-Ringnes-Grundschule, diverse Reinickendorfer Unternehmen und Bezirkspolitiker, der Integrationsbeauftragte, die Apostel-Petrus-Gemeinde und das Diakonische Werk. Und 15 junge Männer aus Syrien, Afghanistan und dem Iran, die aktuell in der Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik leben. Das Team sorgt in den kommenden drei Wochen für frisch gestrichene Wände im Heiligenseer Schulbau. Neue Farbe bekommen die meisten Klassenräume, dazu Treppenhäuser und Flure.

Zum zweiten Mal hat das Netzwerk WIR ein Integrationsprojekt auf die Beine gestellt, das Flüchtlinge und Reinickendorfer zusammenbringt. Damit sie sich kennenlernen und gemeinsam etwas Neues, Nützliches schaffen. Im vorigen Jahr war’s ein Seil- und Klettergarten im Märkischen Viertel. Daher stammt auch der Name „Zwischen Himmel und Erde“, den die Initiatoren beibehalten haben. „Unser Projekt hat sich quasi schon zur Marke entwickelt und macht sogar Schule“, erzählt Ute Strelow von der Apostel-Petrus-Gemeinde im Märkischen Viertel. „Deshalb sind wir beim Namen geblieben, auch wenn es diesmal nicht in die Höhe geht.“ Der Klettergarten wurde erst kürzlich mit dem dritten Platz beim ZukunftsAward des Verbandes der Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen (BBU) ausgezeichnet.

Ob Seilgartenbau oder Streichaktion: Wichtigstes Ziel des Projektes ist es, Flüchtlinge mit lokalen Unternehmen in Kontakt zu bringen. Die sponsern jeweils nicht nur Material und Muskelkraft, sondern stellen den jungen Männern auch Praktika, Ausbildung oder Anstellungen in Aussicht. Aus der ersten Runde „Zwischen Himmel und Erde“ haben sich ein fester Job und drei mehrwöchige Praktika ergeben.

Machmud Maisri aus Syrien hat schon am Seilgarten mitgearbeitet und schafft in Heiligensee wieder kräftig mit. „Ich finde es schön, etwas für Kinder zu machen“, sagt er. Auch sein Landsmann Abdulnasar Aldalati freut sich auf die kommenden drei Wochen, in denen er jeden Tag von 9 bis 15 Uhr mit Pinsel und Farbe hantieren darf, statt tatenlos in der Unterkunft auszuharren „Wir bekommen so viel Hilfe und möchten gern etwas zurückgeben.“ Teamleiter Markus Beese vom Netzwerk WIR ist Mittelsmann und Ansprechpartner für die Gruppe. Er kümmert sich um Deutsch-Kurse und Kinderbetreuung, begleitet die Männer bei Ämtergängen, Anhörungen, Wohnungsbesichtigungen. „Aus dem ersten Projekt hat sich ein schöner Zusammenhalt entwickelt“, erzählt Beese. „Die Teilnehmer treffen sich jetzt immer sonnabends zum gemeinsam Essen, Reden, Austausch. Inzwischen bringen sie sogar Freunde und Familien mit.“ bm

Informationen zum Projekt und dem Netzwerk „Willkommen in Reinickendorf“ gibt es unter www.wir-netzwerk.de.
Autor:

Berit Müller aus Lichtenberg

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