Wenn Menschen mit ihrem Hund überfordert sind
Seit Beginn der Pandemie schaffen sich immer mehr Leute im Bezirk ein Tier an – das sollte gut überlegt werden

Simone Hörnicke trainiert mit Carlson auf einem Steg. Neben ihm hat sie vier weitere Hunde.
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  • Simone Hörnicke trainiert mit Carlson auf einem Steg. Neben ihm hat sie vier weitere Hunde.
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Seit Beginn der Corona-Pandemie schaffen sich immer mehr Menschen einen Hund an. Allerdings scheint die Entscheidung manchmal nicht gut durchdacht oder gar spontan. Diesen Eindruck hat Simone Hörnicke, Inhaberin der Hundeschule „LittleBigDogs“ in Malchow.

Immer wieder berät sie Menschen, die mit ihrem Hund nicht klarkommen. „Die Hunde sind nicht erzogen oder ihrer Rasse ist nicht entsprechend oder falsch ausgelastet“, stellt sie fest. „Außerdem haben manche völlig falsche Vorstellungen vom Zusammenleben mit einem Hund.“

Im Bezirk Lichtenberg stieg die Anzahl der steuerlich gemeldeten Hunde von etwa 8470 im Jahr 2019 auf über 9100 im Jahr 2020. Das sind 7,5 Prozent mehr. Es ist aber davon auszugehen, dass es auch eine Anzahl von „schwarz“ gehaltenen Hunden gibt, für die die Besitzer keine Steuern zahlen. Die Gründe, warum sich im vergangenen Jahr mehr Menschen einen Hund anschafften, sind vielschichtig. Manche arbeiten seit Monaten im Homeoffice und meinen, dass sie jetzt die Zeit dafür haben.

Bei anderen spielen soziale Gründe eine Rolle. Sie besorgen sich einen Hund, um ein wenig der Einsamkeit zu entfliehen. Ein Hund „zwingt“ Frauchen oder Herrchen, jeden Tag das Haus zu verlassen. Draußen trifft man andere Hundehalter und hat stets ein Gesprächsthema. Ein weiterer Grund ist, dass Kinder im Homeschooling lernten. Mit einem Hund, so meint man in mancher Familie, erhalten sie etwas Ablenkung, vielleicht einen neuen Spielkameraden.

Doch mitunter ist das alles zu kurz gedacht. „Wer sich einen Hund anschafft, sollte davon ausgehen, dass er mit seinem Tier zehn bis 15 Jahre im Idealfall zusammenleben wird“, sagt Simone Hörnicke. „Deshalb sollte das gut überlegt sein, auch wenn ich die Motivation verstehe.“ Zu empfehlen ist, sich im Vorfeld zum Beispiel in einer Hundeschule beraten zu lassen.

Zumindest sollte man sich aber eine Checkliste zusammenstellen. „Jeder sollte für sich die Fragen beantworten: Habe ich überhaupt genug Zeit, um mich um einen Hund zu kümmern? Gibt es Allergiker in der Familie? Wieviel Raum steht für einen Hund zur Verfügung? Wer gehört alles zur Familie und stimmen alle zu? Gibt es jemanden, der sich um den Hund kümmert, wenn ich das für eine gewisse Zeit nicht kann? Und: Welche konkreten Vorstellungen habe ich selbst vom Zusammenleben?“, so Simone Hörnicke.

Jede Rasse hat ihre Eigenheiten

Ein weiteres Thema ist die Rasse. Jede hat ihre Eigenheiten. Manche brauchen viel Beschäftigung und Auslauf oder sind richtige Arbeitstiere. Andere wollen es eher ruhiger angehen. Und dann gibt es da noch Rassen, für deren Erziehung man schon entsprechende Erfahrung mitbringen sollte. Nicht jeder „niedliche“ Hund entpuppt sich als Schoßhündchen. Das weiß Simone Hörnicke aus ihrer Erfahrung und den Problemen, mit denen sie von Haltern konfrontiert wird, nur zu gut.

Eine ebenso wichtige Frage: Wo bekommt man seinen Hund her? Die Trainerin empfiehlt, Welpen von einem Züchter zu kaufen. Alternativ kann ein Hund aus einem Tierheim übernommen werden. „Die Mitarbeiter beraten fachkundig und schauen schon genau, welcher Hund zum wem passt“, so ihre Erfahrung. Genauer überlegt sein will, ob man einen geretteten Straßenhund aus einem anderen Land übernimmt. Diese Tiere haben in der Regel Schlimmes durchgemacht. Und deshalb sollte man einiges an Erfahrung im Umgang mitbringen. Völlig abzuraten ist von ominösen Welpen-Angeboten, wie man sie hin und wieder im Internet findet.

Wer sich einen Hund angeschafft hat, sollte sich nicht scheuen, eine Hundeschule zu besuchen, die auch in Lockdown-Zeiten geöffnet sind. „Denn wenn es im Verhältnis zwischen Hund und Mensch Probleme gibt, leiden beide darunter“, weiß Simone Hörnicke. „Es kann irgendwann auch zu einem gesellschaftlichen Problem werden, wenn es immer mehr ‚unerzogene‘ Hunde in der Stadt gibt.“ Damit bereits Kinder wichtige Regeln lernen können, bietet die Hundetrainerin auch einen Kinderkurs an.

Informationen auf www.hundeschule-lbd-berlin.de

Autor:

Bernd Wähner aus Pankow

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