Als das Fliegen noch unschuldig war
Bildband zum bald schließenden Flughafen Tegel erschienen

Den auch von weitem interessanten Flughafen Tegel hat sich Fotograf Peter Ortner sich sehr nah und detailreich angesehen.
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Corona- Unternehmens-Ticker

„The Essence of Berlin-Tegel“ heißt ein ungewöhnlicher Bildband, mit dem der Fotograf Peter Ortner den vermutlich im November schließenden Flughafen würdigt.

Im Einleitungsessay zu dem Bildband schreibt der Architekturjournalist Florian Heilmeyer, der Flughafen Tegel sei ein „Denkmal einer viel unschuldigeren Zeit“. Auf diese Idee kommt man nicht unbedingt, wenn man vor der Corona-Krise in langen Schlangen vor einem der Schalter stand und außer der Werbung über den Köpfen nur die Wartenden in anderen Schlangen studieren konnte.

Und doch hat Heilmeyer recht. Als 1965 die noch völlig unbekannten Architekten Meinhard von Gerkan, Volkwin Marg und Klaus Nickels den internationalen Wettbewerb für den neuen West-Berliner Flughafen gewannen, stand das Fliegen für Fortschritt und Leichtigkeit. Wer es sich leisten konnte, wollte vor dem Flug vielleicht noch eine Tasse Kaffee trinken und als Vorgeschmack auf die Reise ins Ausland eine schon von dort stammende Zeitung erwerben. Aber mehr auch nicht.

Der Flughafen als Shopping-Center und Werbeträger war so weit weg wie Massentourismus und später der Terrorismus. Und doch lieferten die drei Jungs von der Technischen Universität Braunschweig, die laut von Gerkan zuvor „noch nicht einmal ein Gartenhaus gebaut“ hatten, einen Flughafen, der für 2,5 Millionen Passagiere geplant war und im vergangenen Jahr mehr als 22 Millionen Passagiere abfertigte.

Der Fotograf Peter Ortner lenkt die Aufmerksamkeit auf die Schönheit des Flughafens, die den knalligen Farben und den durchdachten geometrischen Formen zu eigen ist. Menschen sind nicht auf den Bildern zu sehen, die eine Wand mit runden Durchblicken wie die Außenhaut eines Raumschiffes erscheinen lassen und Sitzgelegenheiten wie die Übungen eines Eisenbiegers, der die gerade Linie schätzt. Die von der Funktion bestimmte Form wirkt nicht minimalistisch, sondern als Zeichen eines Grundvertrauens in Technik. Man muss der Technikgläubigkeit aus der Entstehungsphase des Flughafens nicht nachtrauern, um diese Schönheit genießen zu können.

Peter Ortners Bildband „The Essence of Berlin-Tegel“ mit dem auf Deutsch und Englisch gedruckten Essay von Florian Heilmeyer ist erschienen im Jovis-Verlag Berlin, hat das ungewöhnliche Format von 22 mal 17 Zentimetern und versammelt auf 112 Seiten 100 farbige Bilder. Er kostet 22 Euro (ISBN 978-3-86859-631-1).

Autor:

Christian Schindler aus Reinickendorf

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