Zum Richtfest des „Upper West“ zeigt „Motel One“ ein Zimmer in großer Höhe

Ein wenig Schweiß wird es noch kosten, bis die Außenhaut des „Upper West“ vollständig anliegt. (Foto: Thomas Schubert)
Berlin: Upper West |

Charlottenburg. Probeliegen im neunten Stock des höchsten Rohbaus der Stadt – kein Problem. Das erste Doppelbett im „Upper West“ ist etwa ein Jahr vor der Eröffnung schon an seinem Platz. Darum herum gab es nun Festivitäten mit Zirkusakrobaten, Cocktails und Sonya Kraus.

Ein Boxspringbett also. Es ist das beherrschende Möbel im Demonstrationszimmer des neuen „Motel One.“ Mit 16 Quadratmeter Größe lässt die Stube Gästen noch Luft, um beim Aufstehen nicht gleich gegen das Fenster oder die Wand zu stoßen. Aber, dass der Schlafkomfort an den minimalistischen Abmessungen nicht leidet, darum geht es bei „Motel One“. Geschäftsgründer Dieter Müller steht am Tag des Richtfests höchstselbst auf dem Teppich und teilt mit, dass Zimmer wie dieses im neu entstehenden Hochhaus 79 Euro kosten werden. Und damit nicht wesentlich mehr als in jeder anderen Vertretung dieser Kette.

Es ist der einzige Faktor, der den übliche Erwartungen entsprechen soll. Ansonsten zeigt das „Upper West“ mit seinem Hauptmieter etwa ein Jahr vor der Eröffnung, dass es die City West nicht nur höhenmäßig prägen will. Auf einer großen Terrasse im zehnten Stock lässt sich die Uhrzeit an der Gedächtniskirche auf Augenhöhe lesen. Aber unweigerlich dreht man sich dann um, legt seinen Kopf in den Nacken und schaut hoch. „118 Meter und ein bisschen“ antwortet Thomas Hohwieler als Geschäftsführer der ausführenden Strabag Real Estate auf die Frage nach dem endgültigen Maß. Und bevor man fragen kann, setzt er dazu: „Wir liegen im Zeit- und Kostenrahmen.“

Entsprechend gelassen begleitet Hohwieler kleine Besuchergruppen bis hoch aufs Dach, wo nur noch die Kanzel eines Krans den Weitblick überbieten kann. Die Oberkante des benachbarten „Waldorf Astoria“, sie ist nur einen Eiswürfel-Wurf entfernt. So hoch werden weder Hotelgäste noch Büromieter im „Upper West“ jemals steigen. Man belässt die Lust am Obensein bei einer Panoramabar im 33. Stock und erlebt hier das höhenmäßige Unentschieden der ungleichen Hochhauszwillinge.

Architekt wünscht mehr Türme

Ob es vielleicht doch mehr Türme werden als diese zwei? Architekt Christoph Langhof würde es begrüßen. Er entwarf schließlich im Namen der AG City selbst schon einen über 200 Meter hohen Wolkenkratzer vor dem Bahnhof Zoo. Der „Hardenberg“-Tower ist seitdem ein Schreckensbild des Bezirksamts. Investoren gibt es noch nicht. Aber Langhof wird nicht müde, darauf hinzuweisen, dass „Hochhäuser eben da entstehen, wo die Wertschöpfung am höchsten ist.“ Und meint damit jene Teile Berlins, in denen man die Gedächtniskirche läuten hört.

Mit dem Baulift wieder am Boden angelangt, übergeben die Bauherren an Fernsehmoderatorin Sonya Kraus. Sie führt locker-flockig durch einen Reigen mit Talkrunden, Cocktails und Zirkusartistik. Es wird dunkel, da streicheln die bunten Wimpel der Richtkrone das Weiß der Fassade. Irgendwo dahinter: ein Boxspringbett mit ordentlich gefalteten Laken. Den ersten Zimmerservice bekommt es in einem Jahr. tsc
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