Leben im rechtsfreien Raum? Kriminalität im Bezirk sorgt für Diskussionen

Friedrichshain-Kreuzberg. Wer bundesweit noch nicht wusste, was am Kottbusser Tor oder am RAW-Gelände passiert, erfuhr es am 4. April in den "Tagesthemen".

Dort gab es zunächst einen Beitrag über den Kriminalitätsschwerpunkt Kotti und danach ein Interview mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD). Das Thema: rechtsfreie Räume in der Bundeshauptstadt.

Dass in Berlin solche NoGo-Areas existieren, bestritt der Regierende. Allerdings räumte er ein, dass es in zwei, drei Gebieten der Stadt erhebliche Probleme gebe. Welche das sind, ist unschwer zu eruieren. Neben dem Kottbusser Tor werden vor allem der Görlitzer Park, die Gegend um die Warschauer und Revaler Straße, manchmal auch die Hasenheide genannt. Sie befinden sich alle in oder an der Grenze zu Friedrichshain-Kreuzberg. Und sie finden sich auch in der von der Polizei geführten Liste kriminalitätsbelasteter Orte, die aktuell für ganz Berlin mehr als 20 Verbrechensschwerpunkte umfasst.

Henkel in der Kritik

Dabei ist die Situation am Kotti und anderen Plätzen nicht neu. Drogenhandel, Gewalttaten oder Taschendiebstähle sorgen dort schon seit Monaten für Schlagzeilen. Und immer wieder in der Kritik steht dabei die Polizei sowie Innensenator Frank Henkel (CDU) als ihr oberster Dienstherr. Gerade in Bereichen wie dem Kottbusser Tor sei es "überfällig, dass der Innensenator mit anderen vor Ort die Dinge angeht", zählte auch Müller im Tagesthemen-Interview seinen Stellvertreter im Senat verbal an.

Das passiere bereits, konterte Henkel und verwies auf 6000 Einsatzstunden, die die Polizei allein in den ersten zwei Monaten 2016 am Kotti geleistet habe. Rund um die Warschauer und Revaler Straße seien es im vergangenen Jahr mehr als 36 000 Stunden gewesen.

Wirklich zielführend scheint das bisher nicht gewesen zu sein. Auf und am RAW-Areal registrierte die aktuelle Kriminalstatistik für 2015 allein über 1100 Rauschgiftdelikte, mehr als drei Mal so viel wie im Jahr zuvor. Die Zahl der Diebstähle und Einbrüche hat sich mit 2270 fast verdoppelt. Ähnliches gilt für das Kottbusser Tor, wo 2100 solcher Delikte im vergangenen Jahr angezeigt wurden. 2014 waren es nur halb so viele. tf
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