Expertentelefon: Fragen und Antworten zum Thema "Pflege bei Demenz"

Tom Passkönig, Altenpfleger Gerontopsychiatrie.
 
Christiane Moritz, Stationspflegeleitung Gerontopsychiatrie.

Zum Thema "Pflege bei Demenz" gab es am 29. August ein Expertentelefon mit den Mitarbeitern der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Vivantes Klinikum Am Urban. Christiane Moritz, Stationspflegeleitung Gerontopsychiatrie, und Tom Passkönig, Altenpfleger Gerontopsychiatrie, stellten sich den Fragen.

Frage: Ich kümmere mich gerne um meine demenzkranke Frau, manchmal fühle ich mich damit aber sehr unter Stress, wie finde ich Unterstützung?

Antwort: Um sich selbst zu entlasten, sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Für direkte Unterstützung durch einen Pflegedienst wenden Sie sich zunächst an Ihren Hausarzt, der mit Ihnen weitere Schritte einleiten kann. Beratung finden Sie aber auch bei der Alzheimer-Beratung.

Frage: Ich pflege seit Jahren meinen an Demenz erkrankten Mann. Jetzt wird er zunehmend aggressiv gegenüber dem Pflegedienst, der ihn einmal in der Woche duschen kommt. Dann schäme ich mich für die Aggressionen meines Mannes.

Antwort: Keinesfalls müssen Sie sich für irgendetwas schämen, was Ihr Mann in seiner Krankheit macht. Er kann sein Denken und Handeln selbst nicht mehr beeinflussen, da er die kognitiven Möglichkeiten nicht mehr besitzt. Ganz wichtig für Sie ist es, sich Unterstützung und Beratung zu holen. Je besser Sie über die Krankheit informiert sind, umso einfacher wird es für Sie, damit umzugehen. Nutzen Sie dafür die Beratungsstellen der Alzheimer-Gesellschaft.

Frage: Bei uns im Haus gibt es einen Nachbarn, der zunehmend verwirrt wirkt. Manchmal klingelt er nachts oder ruft um Hilfe. Aus seiner Wohnung riecht es sehr unangenehm, er lässt aber keinen rein. Angehörige gibt es nicht. Was sollen wir tun?

Antwort: Bei akuter Gefährdung sollten Sie sofort die Polizei oder Feuerwehr rufen. Ansonsten haben Sie die Möglichkeit, den sozialpsychiatrischen Dienst zu informieren, der sich dann des Problems annimmt und den Nachbarn aufsuchen wird. Die Telefonnummer des zuständigen sozialpsychiatrischen Dienstes erfahren Sie über die Auskunft, das Branchenbuch oder über das Bezirksamt.

Frage: Wenn ich meine demenzkranke Mutter zum Arztbesuch oder zu anderen Aktivitäten begleiten will, dann hole ich sie zeitig ab, aber sie ist nie fertig. Wenn ich ihr dann helfen will, um alles ein wenig zu beschleunigen, dann kommt alles ins Stocken und wir geraten regelmäßig in Streit. Was mache ich falsch?

Antwort: Ganz wichtig ist es, dass Sie sich auf Ihre Mutter einstellen, sie kann sich nicht mehr anpassen. Bleiben Sie geduldig, das ist das Wichtigste im Umgang mit demenzkranken Menschen. Unterstützen Sie Ihre Mutter liebevoll bei den Dingen, die sie verrichtet, aber nötigen Sie sie nicht und diskutieren Sie nicht. Argumente helfen hier nicht mehr. Suggerieren Sie Zeit und Ruhe.

Frage: Meine Mutter war immer eine sehr gepflegte und sich gewählt ausdrückende Frau, die auf Umgangsformen sehr viel Wert legte. Jetzt isst sie mit den Fingern, beschmutzt sich dabei und verwendet Ausdrücke, die ich nie bei ihr gehört habe. Mich entsetzt das, wie kann ich damit umgehen?

Antwort: Versuchen Sie Geduld und Verständnis aufzubringen, denn ein demenzkranker Mensch lebt in einer eigenen Welt, in der Werte von früher keine Rolle mehr spielen. Essen mit den Fingern ist für viele demenzkranke einfacher. Richten Sie Ihrer Mutter sogenanntes "Fingerfood" als Essen an. Sie erleichtern damit ihr und auch sich den Alltag. Vielleicht lässt sich Ihre Mutter eine Serviette anbieten, ansonsten sehen Sie über kleine Flecken großzügig hinweg.

Weitere Informationen gibt es bei der Alzheimer-Gesellschaft unter: 25 93 79 514 oder 01803/171 017 jeweils Mo-Do 9-18 Uhr, Fr 9-15 Uhr.

PR-Redaktion / P.R.
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