Hohe Kosten verhindern Notunterkunft der Kältehilfe am Haus der Statistik

Der Bezirk wollte auf dem ungenutzten Parkplatz am Haus der Statistik eine Traglufthalle für Notübernachtungen aufstellen. (Foto: Dirk Jericho)
Berlin: Haus der Statistik |

Das Bezirksamt wollte auf dem ungenutzten Parkplatz am Haus der Statistik eine Traglufthalle für Notübernachtungen von Obdachlosen während der Wintermonate aufstellen. Das ist an den Kosten gescheitert.

268 Notübernachtungsplätze bieten verschiedene Träger im Bezirk für die diesjährige Kältehilfe an. Die AWO Mitte zum Beispiel 50 im Jugendzentrum Pumpe an der Lützowstraße und die Stadtmission 121 Plätze an der Lehrter Straße. 120 weitere Betten sollten in diesem Winter dazukommen. Doch die geplante Notunterkunft auf dem Parkplatz am Haus der Statistik an der Otto-Braun-Straße 70-72 kommt nicht. Wie Sozialstadtrat Ephraim Gothe (SPD) sagt, seien die Kosten zu hoch.

Die Berliner Stadtmission, die das Projekt wuppen wollte, habe abgelehnt. 17 Euro pro Person und Nacht, die der Senat für die Kältehilfe bezahlt, reichen nicht. Die vom Senat angebotene Traglufthalle – bis vor kurzem Flüchtlingsheim in der früheren Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne in Spandau – bleibt deshalb ungenutzt. Wegen Transport und anderer Nebenkosten sei das nicht finanzierbar gewesen, so Gothe.

Der Bezirk habe dann gemeinsam mit der Stadtmission versucht, ein Zelt zu mieten. Doch das günstigste Angebot aus Bayern waren 60 000 Euro Miete im Monat plus 120 000 Euro Auf- und Abbau, wie Gothe berichtet. Unterm Strich wären Kosten von 36 Euro pro Nacht und Platz angefallen. „Da kann man ein Bett im Motel One mieten, und wir bieten dafür einen Platz mit Erbsensuppe im Zelt, das wäre absurd“, so Gothe.

Für ihn ist das „krasse Beispiel“ Beleg dafür, dass die Stadt Immobilien braucht für die Kältehilfe. Es gebe aber nicht mehr so viel Raum, „weil 15 Jahre lang Liegenschaften verkloppt“ wurden. Für Gothe ist es „sehr viel wert, wenn man Immobilien hat, wo man sowas mal als Zwischennutzung ohne großen Aufwand unterbringen kann“. So wie im früheren Vermessungsamt in Alt-Moabit 82b, in dem der Arbeiter-Samariter-Bund zukünftig weitere 120 Notübernachtungsplätze betreiben wird. Insgesamt gibt es stadtweit rund 1000 Plätze für die Kältehilfe. Vor fünf Jahren waren es noch 500.

Das Haus der Statistik steht seit 2008 leer und ist völlig marode. Der Senat hat den riesigen Gebäudekomplex im Oktober von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) gekauft. Dort soll ein „Ort für Verwaltung sowie Kultur, Bildung, Soziales und Wohnen“ entstehen, heißt es im rot-rot-grünen Koalitionsvertrag. Das Projekt wird gemeinsam mit der Initiative Haus der Statistik entwickelt. Neben Beamtenbüros sind auf auf dem Areal auch neue Wohnungen, Kita und Studentenappartements geplant. Wie Gothe im BVV-Sozialausschuss sagte, soll dort auch „das Thema Kältehilfe einen festen Standort bekommen“. Das könne zum Beispiel ein Hostel sein, das in den Wintermonaten der Kältehilfe zur Verfügung stehe.
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