Quartiersmanagerin blickt zurück auf 15 Jahre Entwicklung

QM-Mitarbeiterin Ines Müller bei einem Spaziergang in der High-Deck-Siedlung, in der auch das Büro angesiedelt ist. (Foto: Sylvia Baumeister)

Neukölln. In der High-Deck-Siedlung beiderseits der Sonnenallee wurde 1999 eines der ersten Quartiersmanagements (QM) der Stadt eingerichtet. Die Siedlung war gekennzeichnet von überforderten Nachbarschaften undeiner schwierigen Sozialstruktur. Manches davon hat sich geändert.

Mit 2400 großzügigen Wohnungen und einer strengen Trennung zwischen Fußwegen und Straßen war die 1975 bis 1984 an der Mauer erbaute High-Deck-Siedlung anfangs begehrt.Das änderte sich Mitte der 90er Jahre, als gut verdienende Familien ohne Wohnberechtigungsschein aufgrund der Fehlbelegungsabgabe wegzogen.

Es blieben und kamen vor allem Großfamilien mit ausländischen Wurzeln, die meist wenig Bildungshintergrund hatten und von Transferleistungen lebten. "Was wir als Quartiersmanager hier 1999 vorfanden, waren schwierige Nachbarschaften, viel Anonymität und kein Miteinander", erzählt Ines Müller, QM-Mitarbeiterin der ersten Stunde. Eine gewaltige Aufgabe lag vor ihr und ihren Kollegen.

Eines der ersten Projekte war der Umbau eines großen Gemeinschaftsraums zum Nachbarschaftstreff "mittendrin". Zu den zahlreichen Angeboten gehören Sport-, Freizeit- und Kunstprojekte. "Wichtig war uns von Beginn an, alle Projekte mit den Bewohnern gemeinsam zu entwickeln", erzählt Ines Müller. So entscheiden auch im Quartiersrat allein die Bewohner, welche Projekte im Kiez mit Mitteln aus dem Programm Soziale Stadt finanziert werden. Dazu zählten bisher ein Jugendtreff, der Computertreff 40 plus, der Kindertreff Waschküche, ein Balkonwettbewerb, die Küche der Nationen und eine Gruppe von Eltern mit behinderten Kindern.

Über 100 Bewohner engagieren sich in der Siedlung inzwischen ehrenamtlich, wie die Nachbarschaftshelfer, die in ihren Communities Streit schlichten, informieren und beraten. Unterstützung für das QM kommt auch von Kooperationspartnern, wie dem Jobcenter, das in einem Büro vor Ort gezielt ganze Familien betreut.

Die positive Entwicklung der ersten Jahre wendete sich ab 2007, als das Wohnungsunternehmen Stadt und Land 1900 Wohnungen an den Privatinvestor Capricornus verkaufte. "Das war ein Tiefschlag", sagt Ines Müller. Was folgte, war ein Leerstand von 30 Prozent, dreiviertel der Bewohner wurde ausgetauscht.

Inzwischen habe man die Situation mit viel Arbeit wieder stabilisieren können, so Müller. Positive Auswirkungen erhofft sie sich von dem erneuten Eigentümerwechsel 2013, als das österreichische Wohnungsunternehmen Buwog die Regie übernahm.

Schwierig bleibt der Kiez, das zeigt die Bevölkerungszusammensetzung: Von den rund 5000 Bewohnern erhalten 73 Prozent Geld vom Staat, 62 Prozent haben einen Migrationshintergrund, 30 Prozent sind Ausländer. Ein Großteil der Bewohner hat keinen Schul- oder Berufsabschluss. Ines Müller: "Hier gibt es nichts schönzureden. Aber das Miteinander und die Verantwortung für den Kiez sind gewachsen."


Sylvia Baumeister / SB
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