Sanierung zu teuer: Flüchtlingsunterkunft am Mariendorfer Weg macht dicht

Das inzwischen leer stehende ehemalige Schulgebäude am Mariendorfer Weg wird demnächst als Notunterkunft für die Kältehilfe genutzt. (Foto: Sylvia Baumeister)

Neukölln. Während in Buckow vor wenigen Tagen eine Sporthalle für die Unterbringung von Flüchtlingen geräumt werden musste, schloss das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) eine weitaus geeignetere Unterkunft am Mariendorfer Weg, in der 100 Menschen Platz hatten.

Erst im Januar hatte der Bezirk auf Verlangen des Lageso die ehemaligen mobilen Unterrichtsräume einer Grundschule anstelle einer geforderten Sporthalle für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. In dem Erstaufnahmeheim mit acht Räumen von jeweils 60 Quadratmetern auf zwei Etagen plus Toiletten fanden 80 bis 100 Flüchtlinge Platz.

Das erschien dem Bezirksamt eher zumutbar als die Unterbringung auf engstem Raum in einer Turnhalle. Mitte Oktober wurde das Gebäude nun aber wieder geräumt, die Flüchtlinge wurden auf andere Unterkünfte verteilt.

„Überhaupt kein Verständnis“ hat Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) für diese Maßnahme. Auch der Vorsitzende der Linken im Bezirksparlament, Thomas Licher, sieht „keine zwingenden Gründe, das Gebäude zu räumen.“

Nach Angaben von Sozialstadtrat Bernd Szczepanski (Grüne) habe es mit dem Lageso Unstimmigkeiten bezüglich einiger Kosten gegeben. So hätten dort Brandschutz- und Rauchmelder installiert und tragende Teile einer Decke verstärkt werden müssen. Das Lageso habe diese Kosten gescheut, während der Bezirk angeboten habe, die Arbeiten während des laufenden Betriebs ausführen zu lassen. „Wir haben bis zuletzt versucht, den Betrieb aufrecht zu erhalten“, sagt Szczepanski.

Auf Anfrage bei der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales, warum dies nicht möglich gewesen sei, heißt es: „Es gab mehrere Gründe, das Objekt zu schließen, bauliche gehörten dazu. Eine erforderliche Sanierung während der Nutzung erschien nicht möglich.“

Ob man das Gebäude nach Ausführung der Arbeiten erneut als Flüchtlingsunterkunft nutzen wolle, sei noch nicht entschieden. Der Bezirk hat vor, es nach der Sanierung der Kältehilfe zur Verfügung zu stellen. Szczepanski: „Wir haben in Berlin zu wenige Übernachtungsmöglichkeiten für Obdachlose und dürfen auch diese Menschen nicht aus dem Blick verlieren, denn ihre Zahl steigt.“ SB
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