15 Jahre gibt es die Tagesstätte für Alkoholkranke in der Crellestraße

Felix Reimer und Astrid Rave leiten die Beschäftigungstagesstätte in der Crellestraße. (Foto: KEN)

Schöneberg. PBAM steht für Psychosoziale Beratung und Behandlung für Abhängige von Alkohol, Medikamenten und anderen Suchtmitteln. Den Verein mit dem etwas sperrigen Namen gibt es seit mehr als zwei Jahrzehnten. Er betreut und berät vor allem alkoholkranke Erwachsene. Finanziert wird seine Arbeit vom Bezirk.

Seit 15 Jahren besteht die Beschäftigungstagesstätte in der Crellestraße 42. Nebenan hat der Verein noch "Betreutes Wohnen" und ein kleines Café. "Unser Angebot richtet sich an Schöneberger. Viele kennen uns aber gar nicht", wundern sich die Leiter der Tagesstätte, die Ergotherapeuten Astrid Rave und Felix Reimer. 25 Plätze hat die Tagesstätte. Sie ist fast voll belegt. Doch niemandem werde Hilfe verwehrt, betont Astrid Rave.

Unterstützt von weiteren Ergotherapeuten und Sozialarbeitern kümmern sich Rave und Reimer um schwer Suchtkranke, die trocken sind und ihrem Leben noch einmal eine Wende geben wollen. "Das übliche Netz aus Familie, Freunden und Bekannten ist weggebrochen", erklärt Felix Reimer. "Wir zeigen unseren Klienten, wie sie wieder den Tag gestalten können, und üben den Umgang mit Menschen ein." Hier lernten sie, mit ihrer eigenen Sucht und den durch sie ausgelösten Gefühlen umzugehen.

Die Betreuten sind fünf Tage in der Woche von 9 bis 16 Uhr in der Crellestraße. Der Tag beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück. In einer Morgenrunde wird der Tagesablauf geplant. Einige Klienten kaufen ein und kochen. Andere beschäftigen sich als Therapie mit Modellbau, Nähen, Stricken oder am PC. "Wir greifen die Interessen der Leute auf", erklärt Felix Reimer. Ein großes Projekt war der Film "Reingerauscht". Er dreht sich natürlich um die Sucht. Zweieinhalb Jahre hat seine Produktion gedauert. Die Gruppe unternimmt auch gemeinsame Tagesausflüge und einmal im Jahr einen Sommerurlaub. Diese Freizeitaktivitäten organisieren und finanzieren die Betreuten selbst.

Im vereinseigenen Café "41" nebenan arbeiten Klienten unter Anleitung eines PBAM-Mitarbeiters. "Hier haben sie eine sinnvolle Beschäftigung und gewinnen ein Selbstbewusstsein", so Astrid Rave. Serviert werden extra gerösteter Kaffee, kleine Speisen und Kuchen. Das Café sucht immer wieder ehrenamtliche Mitarbeiter.

Auch sonntags ist die Tagesstätte für vier Stunden geöffnet. Es gibt Hilfe in Krisenfällen. Die PBAM-Klienten sind zwischen 35 und 70 Jahre alt. Der Anteil von Männern und Frauen ist gleich hoch. Fast alle haben eine 20 bis 30 Jahre dauernde Trinkerkarriere hinter sich und sind körperlich angeschlagen. Fast alle sind arbeitslos. Manche haben auch keine Wohnung mehr.

Die Verweildauer in der Tagesstätte, für die eine verbindliche Vereinbarung zwischen Klient und Träger getroffen wird, ist unterschiedlich, auch der Erfolg der Therapie. Felix Reimer erzählt von einer jungen Frau, die nach rund zwei Jahren so stabil war, dass sie eine Ausbildung zur Altenpflegerin begonnen hat.


Karen Noetzel / KEN
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