Mehr Übergriffe auf Lehrer: Gewaltvorfälle an Schulen nehmen zu

Spandau. Beleidigungen, Drohungen und Übergriffe auf Lehrer nehmen auch an Spandauer Schulen zu. 379 Gewaltvorfälle meldeten die Schulen der Senatsbildungsverwaltung im Schuljahr 2015/16 und damit 149 mehr als im Schuljahr davor.

Mit 198 entfielen die meisten Fälle auf den sogenannten Gefährdungsgrad I: Beleidigung, Drohung, Tätlichkeit, Suchtmittelkonsum, Mobbing und Suizidäußerung. 181 Mal drohten oder beleidigten Schüler ihre Mitschüler oder griffen sie tätlich an. Mobbing kam elf Mal vor, Drogenkonsum vier Mal. Mit Suizid drohten Schüler zwei Mal. Im Schuljahr 2014/15 meldeten die Schulen insgesamt noch 117 Vorkommnisse mit Gefährdungsgrad I.

Bedrohungen, Waffen

Auffällig gestiegen sind auch die schwereren Gewalttaten. So entfielen im Schuljahr 2016/15 in der Summe 181 Vorfälle auf den Gefährdungsgrad II, wie Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) unlängst die Bezirksverordneten informierte. Schwere körperliche Gewalt gab es demnach in 62 Fällen, Übergriffe auf Schulpersonal 59 Mal, Bedrohungen 31 Mal und Waffenbesitz acht Mal. Darüber hinaus registrierten die Schulen sechs Fälle von Vandalismus, fünf sexuelle Übergriffe, vier Gewaltdarstellungen und zwei Suizidversuche.

Im Schuljahr zuvor meldeten die Schulen insgesamt 113 Vorkommnisse in der höheren Gefährdungsstufe. Übergriffe auf Lehrer gab es 27 Mal, schwere körperliche Gewalt 30 Mal, sexuelle Übergriffe acht Mal, Waffenbesitz fünf Mal sowie drei verfassungsfeindliche Äußerungen und eine Amokdrohung.

Thorsten Schatz von der CDU-Fraktion bewertete vor allem die Übergriffe auf das Lehrpersonal als „erschreckend hoch“ und wollte wissen, welche Schulen die meisten Vorfälle gemeldet hatten. Das aber gab die offizielle Statistik nicht her. Zu Recht, wie Helmut Kleebank betonte, denn einzelne Schulen dürften nicht stigmatisiert werden.

Dunkelziffer ist hoch

Auch warnte er davor, ein „falsches Bild von den Schulen entstehen zu lassen“. Die gemeldeten Fälle verteilten sich über 45 Schulen. Wobei von einer Dunkelziffer auszugehen sei. Auch könne das Meldeverhalten der Schulen von Jahr zu Jahr variieren, je nachdem, wie stark die Sensibilisierung der Lehrer beim Thema Gewalt sei.

Die Praxis der Schulen, mit Informationen über Gewaltvorfälle zurückhaltend umzugehen und Eltern nicht immer oder nur unzureichend zu informieren, verteidigte Kleebank: „Auch die betroffenen Schüler stehen unter dem Schutz der Schule und haben das Recht auf eine zweite Chance.“ Dabei helfe in vielen Fällen ein Täter-Opfer-Ausgleich. CDU und AfD plädierten am Ende dafür, das Thema nicht öffentlich im Schulausschuss zu vertiefen und dort auch die Schwerpunktschulen zu besprechen. uk
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