Bezirk will 2017 den Weißenseer Künstler Werner Klemke mit einer Platzbenennung ehren

Diese Grünfläche soll im kommenden Jahr nach Werner Klemke benannt werden. (Foto: Bernd Wähner)
 
In einer Werner-Klemke-Ausstellung, die das Bezirksmuseum vor einigen Monaten zeigte, war dieses Foto des Künstlers zu sehen. (Foto: Repro/Bernd Wähner)

Weißensee. Werner Klemke ist einer der bekanntesten Künstler, die in Weißensee lebten. Schon bald könnte nach ihm eine Grünanlage in Weißensee benannt werden.

Über einen Verordneten stellte der Verein Weißenseer Heimatfreunde bereits vor zwei Jahren in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) den Antrag, einen Platz oder eine Grünfläche nach Werner Klemke (1917-1994) zu benennen. Einen geeigneten Platz hatten die Heimatfreunde bereits im Blick: den südlichen Teil des Antonplatzes. Denn der Grafiker wohnte ganz in der Nähe, in einem Haus an der Tassostraße.

Werner Klemke war als Kinderbuchillustrator weltweit bekannt. Außerdem zeichnete er für das „Magazin“ den legendären Klemke-Kater, der zum Markenzeichen dieser Zeitschrift avancierte. Für die Gestaltung einer Ausgabe des Decamerone erhielt er 1975 bereits die Ehrenbürgerschaft der Stadt Certaldo in Italien. Es sei an der Zeit, dass Werner Klemke nun auch in seiner Heimatstadt eine Ehrung erfahre, meinen die Heimatfreunde.

Diesem Ansinnen stimmt auch die große Mehrheit des Kulturausschusses der BVV zu. Allerdings wollte man sich vor zwei Jahren nicht auf den südlichen Antonplatz festlegen. Stattdessen beauftragten die Verordneten das Bezirksamt, nach einem geeigneten Ort zu suchen.

Lange Zeit tat sich nichts. Im vergangenen Jahr wurde Werner Klemke dann noch mal aus einem anderen Blickwinkel ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Er war nicht nur Künstler, sondern auch Lebensretter in der NS-Zeit. Dieser Facette Klemkes kam die niederländische Filmemacherin Annet Betsalel auf die Spur. Sie drehte den Dokumentarfilm „Treffpunkt Erasmus“. In einer Synagoge fand sie in einem Schrank Material, das diese Facette im Leben Klemkes näher beleuchtete. Dieser kam als Soldat der Wehrmacht in die Niederlande. Dort entwickelten sich 1942 Kontakte zum holländischen Widerstand. Sein Zeichentalent nutzte er, um Dokumente für jüdische Bürger zu fälschen. So rettete er vielen Menschen das Leben. Klemke selbst verschwieg diesen Teil seines Lebens.

Weil 2017 der 100. Geburtstag Werner Klemkes ansteht, ist inzwischen im Bezirksamt auch einiges in Bewegung gekommen. Der Leiter des Museums Pankow, Bernt Roder, konnte im Kulturausschuss berichten: „Das Straßen- und Grünflächenamt hat uns vier Flächen benannt, die für eine Platzbenennung in Frage kämen.“ Von einem Vorschlag sind Roder und die Verordneten besonders begeistert. Dabei handelt es sich um die noch namenlose Grünanlage an der Ecke Amalienstraße und Woelckpromenade. Diese befindet sich am sogenannten Goldfischteich. Sie ist fast 15 000 Quadratmeter groß und wird vom Bezirk verwaltet. Gleich nebenan befindet sich die Grundschule am Weißen See. Diese könnte eventuell sogar eine Patenschaft für die Fläche übernehmen.

Nach Zustimmung durch den Kulturausschuss könne nun das Straßen- und Grünflächenamt das offizielle Benennungsverfahren einleiten, erklärt Kulturstadtrat Torsten Kühne (CDU). Zugleich werde in der Gedenktafelkommission begonnen, auch eine Gedenktafel für Werner Klemke zu erarbeiten, die dann auf dem Platz aufgestellt werden soll. Diese wird auch mit den Initiatoren, den Weißenseer Heimatfreunden, abgestimmt. BW
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