Gebäudekomplex Mörikestraße 4-12 soll abgerissen werden
35 Künstler zittern um ihre Ateliers

Lorcan O'Byrne und Lydia Paasche bangen um ihre Zukunft.
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Vor dem Fabrikgebäude an der Mörikestraße stehen ein paar Kreuze, auf Plakaten wütet ein Abrissbagger. So machen ortsansässige Künstler auf das drohende Aus für ihre Ateliers aufmerksam.

Viele Jahre lang war in den beiden Fabriketagen das Berufsbildungsprojekt Praxisnah angesiedelt. Nach der Insolvenz des Bildungsträgers stand die Immobilie ein paar Monate leer und wurde dann 2013 zum Atelierhaus. „Hier haben 35 Künstler eine Heimat, darunter Maler, Grafiker, Bühnenbildner und Fotografen“, erklärt Lydia Paasche. Seit ein paar Wochen fürchtet die Künstlerin, die malt und Skulpturen fertigt, um ihre Zukunft am Standort. Denn Ende 2018 hatten die Künstler Post vom Eigentümer der Immobilie, einem Münchner Architekten, bekommen. Der teilte mit, dass das Fabrikgebäude ab Oktober 2019 abgerissen und durch mehrere Neubauten ersetzt werden soll. Geplant seien Wohngebäude und ein separates Atelierhaus. „Konkrete Zusagen über den Fortbestand der Mietverhältnisse sowie die Miethöhe haben wir nicht. Außerdem bezweifeln wir, dass die Mieten im Neubau für uns noch erschwinglich sein werden. Und für die Zeit von Abriss und Neubau, mindestens 18 Monate, gibt es auch keine Lösung“, so Lydia Paasche.

Im Dezember war eine Abordnung der betroffenen Künstler erst in der Sprechstunde von Bürgermeister Oliver Igel (SPD) und dann auch zur Bürgerfragestunde der Bezirksverordneten erschienen. „Ich hatte Anfang Dezember den Eigentümer angeschrieben und um eine Lösung für die langjährigen Mieter gebeten, auch ein persönliches Gespräch angeboten. Leider habe ich bis heute keine Antwort bekommen“, erklärt Oliver Igel auf Nachfrage.

Lorcan O'Byrne aus Irland fürchtet ebenfalls um sein Atelier. „Als ich vor über 30 Jahren zum Kunststudium in die Stadt gekommen bin, konnte man hier mit Tellerwaschen zumindest den Lebensunterhalt verdienen. Inzwischen sind die Ateliermieten für Künstler an vielen Stellen unerschwinglich geworden“, ärgert er sich.

Aufgeben wollen die Künstler nicht. Weiterhin suchen sie das Gespräch mit ihrem Vermieter, um doch noch Zugeständnisse zu erreichen. Außerdem gibt es bereits Kontakte zum Atelierhaus Mengerzeile im nahen Alt-Treptow. Dort hatten die Künstler gemeinsam mit dem Grundstückseigentümer eine Lösung gefunden, die trotz Um- und Neubau ihre Zukunft am Standort sichert.

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