Fachjury lobt Doppelhochhaus der Howoge
Bauherrenpreis in Lichtenberg vergeben

Ungewöhnlich die Fassade mit den "Längsbalkonen". Der Neubau der Howoge in der Paul-Zobel-Straße 10/10A.
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  • Ungewöhnlich die Fassade mit den "Längsbalkonen". Der Neubau der Howoge in der Paul-Zobel-Straße 10/10A.
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Nach langer Pause hat das Bezirksamt in diesem Jahr wieder den Bauherrenpreis verliehen – als Anerkennung für lobenswerte Bauprojekte in Lichtenberg. Neun Preisträger gab es diesmal, die Lichtenberger konnten auch dabei mitreden.

In sechs Kategorien war der Wettbewerb ausgeschrieben worden, wobei es jeweils einen Fach- und einen Publikumspreis zu gewinnen gab. Über letzteren konnten die Einwohner des Bezirks bis Ende März per Online-Voting entscheiden (wir berichteten). Ergebnis: Drei der neun Preisträger überzeugten sowohl eine Fachjury aus Stadtplanern und Architekten, als auch das Publikum – und sicherten sich die beiden ersten Plätze.

Es waren die Jugendherberge am Ostkreuz in der Kategorie Denkmalpflege, die MarinaMarina bei den Gewerbebauten und der Neubau des Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge bei den Sozialen Bauten. Der Jugendclub Gotlindestraße überzeugte die Experten in der Kategorie Infrastruktur, die Kita blu:boks hatte hier bei den Lichtenbergern die Nase vorn. Den Preis für die Freianlagen teilen sich der Spielplatz Weltraumpiraten (Jury) und der Schulhof der Friedrichsfelder Grundschule (Publikum).

Zwei Gewinner in der Kategorie Wohnen

In der wichtigen Kategorie Wohnen entschied sich das Publikum für den  Neubau „Junges Wohnen“ in der Volkradstraße 27. Die Experten der Stadtplanung und -entwicklung sprachen sich einstimmig für den Neubau der Wohnungsbaugesellschaft Howoge in der Paul-Zobel-Straße 10/10A aus. Das Doppelhochhaus ist erst Anfang dieses Jahres fertig geworden.

Im Innenhof der Fennpfuhler Plattenbausiedlung aus den 1970er-Jahren entstanden nach dem Entwurf des Architekturbüros Heide & Von Beckenrath in rund eineinhalb Jahren zwei achtgeschossige Wohnhäuser mit einem flachen Verbindungsgang. In den Gebäuden gibt es 69 Wohnungen, die Größen variieren zwischen einem und fünf Zimmern. Drei geräumige Einheiten sind für Wohnprojekte sozialer Träger vorgesehen und etwa ein Drittel der Wohnungen ist gefördert. Im Zwischengebäude ist Platz für eine deutsch-russische Kita mit 40 kleinen Besuchern. Außen entstehen nach Süden ausgerichtete Spiel- und Erholungsflächen, für die ein Teil des alten Baumbestands erhalten geblieben ist. Die ersten Mieter sind Anfang Februar eingezogen.

Dreifach ausgezeichnet

Für das Bauprojekt nahe dem Roederplatz erhielt die Howoge den Lichtenberger Bauherrenpreis 2019. Nach dem Deutschen Bauherrenpreis 2016 und dem NaWoh-Zertifikat für Nachhaltigkeit im Wohnungsbau war es die dritte Auszeichnung fürs städtische Unternehmen in relativ kurzer Zeit. Die Treskow-Höfe der Howoge in Karlshorst bedachte die Lichtenberger Fachjury außerdem mit einer besonderen Anerkennung. Das Ensemble an der Treskowallee war das erste Neubauvorhaben der Gesellschaft im Rahmen der Berliner Wachstumsoffensive.

In der Begründung der Jury zur Prämierung der Paul-Zobel-Straße heißt es, der Neubau habe eine unverwechselbare eigene Identität und füge sich gut in den Quartiersraum ein. Und: „Die Verbindung des Wohnungsbaus mit der Kita im Erdgeschoss im Zuge der städtebaulichen Verdichtung führt zu einer funktionalen Aufwertung des Wohnquartieres. Mit dem Vorhaben sind unterschiedliche Freiräume entstanden, zum Beispiel der geschützte Freiraum der Kita und ein halböffentlicher Platz für die Bewohner. Die offenen Grundrisse und die Variabilität der Nutzungen werden sehr positiv bewertet. Die Fassadengestaltung ist kompositorisch gut gelöst.“

Verdichtung mit Mehrwert

„Wir freuen uns sehr über den Preis“, erklärt Howoge-Geschäftsführer Ulrich Schiller. „Das Projekt zeigt, dass behutsame Nachverdichtung mit einem klugen Städtebau unter Würdigung des Bestandes auch in Innenhöfen gelingen kann. Die Auszeichnung bestärkt uns darin, diesen Weg weiter zu gehen.“ Die Wohnungen kämen auch bei Mietinteressenten gut an, so Schiller. Mehr als 80 Prozent seien inzwischen vergeben. Das Unternehmen will nun auch weiterhin auf Nachverdichtung setzen, wie es das beispielsweise schon in der Dolgensee- und Sewanstraße in Friedrichsfelde getan hat.

Die kommunale Howoge gehört mit einem eigenen Bestand von rund 61 000 Wohnungen zu den zehn größten Vermietern deutschlandweit. Bis 2026 will die Wohnungsbaugesellschaft ihr Portfolio durch Zukauf und Neubau auf rund 75 200 Einheiten erweitern.

Gute Entwicklung des Stadtbildes

Das Bezirksamt hatte den Preis in diesem Jahr erst zum dritten Mal ausgelobt, 2013 gab es die Prämierung zuletzt. Sie würdigt Bauherren, die sich mit ihren Vorhaben beispielhaft für die Entwicklung des Lichtenberger Stadtbildes und eine funktionelle Vielfalt engagiert haben. 37 Interessenten hatten sich für den Wettbewerb angemeldet. „Es freut mich, dass unter den Preisträgern auch mehrere Projekte des Bezirksamtes sind“, sagt Bürgermeister Michael Grunst (Die Linke). „Das zeigt, dass der Bezirk ein innovativer Bauherr ist. Wir bauen nicht nur architektonisch ansprechend, sondern haben auch die Menschen im Blick, denen die Bauten dienen sollen.“

Die Stadträtin für Stadtentwicklung, Birgit Monteiro (SPD), nennt den Wettbewerb einen guten Anlass, die vielfältigen Leistungen der Bauherren zu präsentieren. „Wer sich die Beträge anschaut, sieht, dass es eben doch noch Projekte gibt, die einen Anspruch auf mehr als nur Renditemaximierung erheben.“ Alle Beiträge stehen unter www.bauherrenpreis.de.

Ungewöhnlich die Fassade mit den "Längsbalkonen". Der Neubau der Howoge in der Paul-Zobel-Straße 10/10A.
Ein flacher Verbindungstrakt zählt zu den Besonderheiten am Neubau in der Paul-Zobel-Straße.

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