Kleinhaussiedlung wird 100 Jahre alt
Bereits 1919 gab es sozialen Wohnungsbau zwischen Sterndamm und Südostallee

Lars Mönch hat sich mit der Geschichte der Kleinhaussiedlung Johannisthal befasst.
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  • Lars Mönch hat sich mit der Geschichte der Kleinhaussiedlung Johannisthal befasst.
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Kurz nach dem Ersten Weltkrieg wohnten die Menschen in der Berliner Innenstadt oft beengt. Schlafburschen konnten sich nicht mal eine Wohnung leisten, sondern mieteten für wenige Stunden ein Bett. In Johannisthal, damals vor den Toren der Stadt, setzte man bereits auf sozialen Wohnungsbau.

Ab 1919 begann zwischen dem heutigen Sterndamm (Kaiser-Wilhelm-Straße) und der heutigen Südostallee (Kaiserstraße) der Bau der Kleinhaussiedlung Johannisthal. „Damals wurden in vier Bauabschnitten rund 200 Häuser gebaut. Von einfachen Holzhäusern bereits kurz nach dem Ersten Weltkrieg bis zu an den Bauhausstil angelehnten Reihenhäusern rund zehn Jahre später“, erzählt Lars Mönch. Der 55-Jährige wohnt selbst in einem der historischen Häuser, hat hier schon seine Jugend verbracht.

Nach einem Vortrag über die Geschichte des Kirchengrundstücks seiner Gemeinde, der Evangelischen Kirche Johannisthal am Sterndamm 92, befasste er sich mit der Geschichte des Wohngebiets. Vor rund zwei Jahren hat er dann an alle Nachbarn Infozettel verteilt und um Informationen zur Siedlung gebeten. In der Folgezeit erhielt Lars Mönch Unterlagen, Fotos und Dokumente aus der Gründungszeit. Am Bau der Siedlung in den Jahren 1919 bis 1927 waren mehrere Baugenossenschaften und Wohnungsvereine beteiligt, Architekten waren unter anderem Bruno Ahrens, Walter Kaas, Hans Soeder und zum Schluss auch Bruno Taut. Ziel war es, auch wenig betuchten Menschen soziale Wohnverhältnisse mit ausreichend Wohnraum, fließendem Wasser, Anschluss an die Kanalisation und elektrischem Licht zu bieten.

Erste Häuser entstanden am hinteren Ende der Oststraße. Hier fanden Familien, die nach dem Krieg aus der früheren Kolonie Deutsch-Südwestafrika (Namibia) zurückkamen, ein Zuhause. Weil mehrere ehemalige Kolonialbeamte ihre farbigen Frauen mitgebracht hatten, gaben die Johannisthaler den Häusern des ersten Bauabschnitts schnell den Namen „Negerdorf“. Spätere Bezeichnungen waren dann Fennsiedlung, Siedlung am Pfuhl oder auf offiziellen Karten Kleinhaussiedlung Johannisthal.

"Um Einzukaufen, musste man die Siedlung nicht einmal verlassen. Es gab einen Kolonialwarenladen, Siedlerbedarf, ein Seifengeschäft, einen Bäcker, einen Kohlenhändler und sogar eine Puppenklinik“, berichtet Lars Mönch.

Der Chronist hat auch ermittelt, dass es mehrere prominente Bewohner gab, darunter die SPD-Sozialpolitikerin Clara Bohm-Schuch (1879-1936). Der Maler Siegfried Klapper (1918-2012) verbrachte hier seine Kindheit und die ersten Jahre als Künstler. Und ein Franz Fischer (Lebensdaten unbekannt) war hier zu Hause. Er betrieb mit seiner Frau einen Kolonialwarenladen an der Oststraße, außerdem war er der sozusagen „Hoffotograf“ des nahen Flugplatzes Johannisthal. Viele der überlieferten Fotos aus den Anfangsjahren der Fliegerei stammen von Fischer.

Offiziell gefeiert wird das 100. Jubiläum der Kleinhaussiedlung nicht. Lars Mönch hat aber im Eigenverlag eine Broschüre herausgebracht. Einen großen Teil der Auflage haben sich bereits die Nachbarn gesichert.

Restexemplare können zum Selbstkostenpreis bestellt werden: i-moench@t-online.de.

Autor:

Ralf Drescher aus Lichtenberg

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