Erinnerung an Kolonialgeschichte: Neue Ausstellung „Zurückgeschaut“ führt in das Jahr 1896

Das afrikanische Haus war einer der Mittelpunkte der Deutschen Kolonialausstellung.
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  • Das afrikanische Haus war einer der Mittelpunkte der Deutschen Kolonialausstellung.
  • Foto: Repro: Drescher
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<span class="docTextLocation">Johannisthal.</span> Im Sommer 1896 sahen über zwei Millionen Besucher am Ufer des Treptower Karpfenteichs die „Erste Deutsche Kolonialausstellung“. Im Museum Treptow gibt es dazu jetzt eine Ausstellung.

„Zurückgeschaut“ heißt die Dauerausstellung, die vom Fachbereich Museen des Bezirksamts gemeinsam mit den Vereinen Berlin Postkolonial und Initiative Schwarze Menschen in Deutschland erarbeitet wurde. Die Besucher vor gut 120 Jahren bekamen Bewohner mehrerer deutscher Kolonien, darunter Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) zu sehen. Die waren eigens angeworben und per Schiff nach Deutschland gebracht wurden. Auf dem sechs Hektar großen Areal an Karpfenteich und der heutigen Bulgarischen Straße sollten sie den Berlinern das Leben ihrer Heimat vorspielen.

Dafür waren ein „Negerdorf“ mit Hütten und zahlreiche für Afrika typische Bauten errichtet worden. Es gab folkloristische Tanzdarbietungen, die Besucher konnten beim Kochen und bei der Jagd zusehen. Freizeit blieb den Darstellern aus Afrika während der Ausstellung vom 1. Mai bis 15. Oktober nur wenig. Es gab organisierte Besuche im Zoo und in Theatern. Dabei mag auch eines der Bilder entstanden sein, welches der Ausstellung den Titel gab – „Zurückgeschaut“.

Die Ausstellung ist auf Zuwachs angelegt. Vor allem das Schicksal der 106 Afrikaner, die quasi als Gastarbeiter und Schauspieler nach Berlin kamen, blieben nämlich rund 20 hier. Sie wählten die Hauptstadt des damaligen Kolonialreichs als Lebensmittelpunkt. Von einem ist das weitere Leben bekannt. Der Häuptlingssohn Martin Dibobe aus Kamerun hatte bereits in seiner Heimat in einer Missionsstation Deutsch sowie Lesen und Schreiben gelernt, er war christlich getauft. Bei Siemens in Spandau lernt er Schlosser. Als 1902 die erste U-Bahn von der Warschauer Brücke in Richtung Innenstadt fuhr, war er als Fahrer und damit Beamter dabei. Bis 1919 arbeitet er bei der Hochbahn. Drei Jahre später kehrt er nach Afrika zurück, dort verliert sich seine Spur. In der Ausstellung hängt ein Foto von ihm, welches für das Buch „Deutschland und seine Kolonien 1896“ aufgenommen wurde. Im BVG-Archiv gibt es Aufnahmen, die den ersten schwarzen Zugführer stolz im Kreis von Kollegen zeigen. Für sein Leben und das Schicksal weiterer Afrikaner, die nach dem Ende der Kolonialausstellung Deutschland zu ihrer Heimat wählten, könnte bei entsprechender Quellenlage und bei einer Erweiterung der Ausstellung sicher Platz sein.

Das Museum Treptow, Sterndamm 102, ist bei freiem Eintritt Montag und Dienstag von 10 bis 16 Uhr, Donnerstag von 10 bis 18 Uhr und Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Am 22. Oktober und 12. November gibt es jeweils um 15 Uhr eine Führung. Am Karpfenteich erinnert 120 Jahre später nichts mehr an das inszenierte afrikanische Leben von 1896. Vielleicht wäre ja auch eine Erinnerung vor Ort möglich? RD

<div class="docTextServiceText">Weitere Informationen unter www.museum-treptow-koepenick.de</div>

Autor:

Ralf Drescher aus Lichtenberg

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