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Weiter Land unter im Fließ: Bezirk wird vom Senat allein gelassen

Anwohner des Tegeler Fließes, die unter dessen hohen Pegelständen leiden, könnten bald einen ungewöhnlichen Verbündeten bekommen: Die afrikanische Schweinepest.

Der Seuchenerreger, der auch über Wildschweine übertragen wird, könnte Eingriffe ermöglichen, vor denen es nicht nur Naturschützern graust: Den Rückschnitt von Schilf. Diese unbestritten als wertvolle Ufervegetation geltenden Pflanzen haben für Wildschweine eine lebensrettende, für die Seuchenbekämpfung aber nachteilige Wirkung: Sie sind so gute Verstecke, dass Stadtjäger sie dort nicht aufspüren können.

Diese Information gab Baustadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU) am 30. Januar im Bauausschuss der Bezirksverordneten weiter. Es war eine der wenigen handfesten Informationen zu den hohen Wasserständen. Das als Naturschutzgebiet ausgewiesene Fließ ist „vollgesaugt wie ein Schwamm“, so die CDU-Verordnete Ute Kühne Sironski. Gerald Walk (SPD) verwies auf einen Pegel, der normalerweise 20 Zentimeter Wasserhöhe ausweist, und nach Werten über 50 Zentimetern aktuell noch bei 40 Zentimetern liegt.

Senatsverwaltung kommt nicht in die Bezirke

Wie es wirklich um das Fließ bestellt ist, und was sich für Anwohner tun ließe, könnten Vertreter der Senatsverwaltung für Naturschutz erklären, die für das Gebiet verantwortlich ist. Doch die hatten dem Ausschussvorsitzenden Matthias Bath (AfD) mitgeteilt, dass sie gar nicht mehr in bezirkliche Gremien kommen. Bei zwölf Bezirken in Berlin sei das zu aufwendig. Immerhin: Die Dringlichkeit der Fließ-Probleme wird auch im Senat gesehen, und es soll eine Veranstaltung dazu geben. Ein Termin wurde noch nicht genannt.

So darf weiter spekuliert werden, wie es im Fließ aussieht, und wie die Interessen von Anwohnern, Landwirten und Erholung Suchenden weiter in Einklang gebracht werden können. Auch die Frage von Totholz als wertvoller Lebensraum für Tiere oder Hindernis fürs Abfließen des "mäandernden Gewässers" (Heinz-Jürgen Schmidt, FDP) wird zu diskutieren sein. 2015 hatte der Naturschutzbund Deutschland den Rückbau von Holz- und Betonschwellen zur Erhöhung der Fließgeschwindigkeit ausdrücklich begrüßt.

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