Die Werkstatt bleibt kalt
Nach der Kündigung der Räume durch das Bezirksamt fürchtet der Modellclub Lübars um die Existenz

Fitfty-fifty: Vereinsmitglied Rainer Goniwiecha, der zweite Vorsitzende Peter Glaser, Vorsitzender Harald Dulich und Michael Schulz hoffen noch auf eine Lösung für den Modellclub Lübars.
  • Fitfty-fifty: Vereinsmitglied Rainer Goniwiecha, der zweite Vorsitzende Peter Glaser, Vorsitzender Harald Dulich und Michael Schulz hoffen noch auf eine Lösung für den Modellclub Lübars.
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Der Modellclub Lübars existiert seit 39 Jahren. Seine Mitglieder fürchten jetzt, dass er seinen 40. Geburtstag nicht mehr feiern kann.

1980 ließen Modellbauer ihre ferngesteuerten Miniaturschiffe im Klötzbecken fahren. Schnell war der Modellclub Lübars gegründet, der jedoch seit 1985 seine Heimat in Tegel-Süd hat. Das Jugendamt war auf ihn aufmerksam geworden und hatte schnell festgestellt, dass das Bauen von Schiffsmodellen und ihre Präsentation auf größeren Gewässern eine interessante Sache für Kinder und Jugendliche sei.

„Die Anerkennung für die Jugendförderung war einfacher als die Anerkennung der Gemeinnützigkeit“, erinnert sich Harald Dulisch, seit langem erster Vorsitzender des Vereins. Das Bezirksamt bot dem Verein Räume in der ehemaligen Zwangsarbeiterbaracke Werdohler Weg 75 an. In dem denkmalgeschützten Bau richteten die Vereinsmitglieder eine Werkstatt ein, in der professionell vor allem an Schiffsmodellen gearbeitet werden konnte. Die imposanten Modelle wurden bei Veranstaltungen im Tegeler Hafen, im Technikmuseum und auch bei der Leipziger Messe vorgeführt. An den Sonntagen fanden sich regelmäßig bis zu einem Dutzend Jugendliche in der Baracke ein, um an den Modellen zu werkeln.

Heizung funktioniert nicht mehr

Inzwischen sind die Vereinsmitglieder oft unter sich. Und das hat damit zu tun, dass der Verein in der Bracke immer mal wieder „wandern“ musste. Eine Zeitlang nutzte das Bezirksamt einen Raum für eine Malgruppe, dann wurde ein Teil des Gebäudes an die benachbarte Kita „Die Waldräuber“ der ESO Education Group verpachtet. Im Zuge dieser Aufteilung wurde auch die Heizung getrennt. Auf der Kita-Seite funktioniert sie, die auf der gut 200 Quadratmeter umfassenden Vereinsseite ist längst defekt. Auch Warmwasser gibt es nicht mehr.

Unter diesen Bedingungen kommen nur noch selten junge Menschen in den Verein, und auch die Zahl der Vereinsmitglieder hat sich auf 24 halbiert. „Die Mitglieder fragen sich natürlich, warum sie noch den bescheidenen Monatsbeitrag von 9,50 Euro für Erwachsene zahlen sollen, wenn sie hier nicht mehr vernünftig arbeiten können“, sagt Dulich.

Inzwischen hat der Verein vom Bezirksamt die Kündigung zum Jahresende erhalten. Damit kämen auf die Mitglieder erhebliche Probleme zu. Nicht nur die Modelle müssten privat eingelagert werden. Auch die teilweise umfangreiche Werkstattausrüstung bräuchte eine neue Bleibe. Jugendstadtrat Tobias Dollase (parteilos, für CDU) begründet die Kündigung damit, dass der Platz für die wachsende Kita gebraucht werde. Dass der Verein auch mit einer größeren Zahl Kinder und Jugendlicher arbeite, sei dem Amt nicht bekannt.

Amt sei Situation vor Ort nicht bekannt

Der Bundesvorsitzende der Partei Die Grauen, Michael Schulz, der lange Bezirksverordneter war, will nun versuchen, zu vermitteln. Er glaubt, dass im Amt die Situation vor Ort gar nicht bekannt sei. Die Herrichtung der Heizung könne den Verein auch für die Kinder- und Jugendarbeit wieder interessanter machen. Er glaubt zudem, dass Kita-Aufwuchs und Vereinssitz auch künftig am gleichen Ort möglich seien. So würden die zur Straße gelegenen Räume der Kita bisher nur als Lager genutzt.

Die Kita befindet sich allerdings laut ihrer Homepage gerade im „Überdenken der bisherigen Raumstruktur hin zu einer raumübergreifenen Gestaltung der Räume“. Der Verein möchte wiederum seine Situation auf der Bezirksverordnetenversammlung am Mittwoch, 13. November, ab 17 Uhr im Rathaus-Altbau, Antonyplatz 1, mit einer Einwohneranfrage öffentlich machen.

Autor:

Christian Schindler aus Reinickendorf

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