Protest gegen "Betonmonster": Bündnis will East Side Gallery retten

Eine Simulation des künftigen Gebäuderiegels entlang der East Side Gallery. Dahinter das schon bestehende Hochhaus. (Foto: Trockland)
Berlin: Pier 61/63 |

Der Aufruf fand sehr schnell sehr viele Unterstützer. Nach wenigen Tagen hatten bereits mehr als 30 000 Menschen die Online-Petition des Bündnises "East Side Gallery retten" unterzeichnet.

Sie wendet sich gegen die Neubaupläne für das sogenannte Projekt "Pier 61/63" auf dem ehemaligen Todesstreifen an der Mühlenstraße. Unter diesem Namen sollen Anfang 2018 die Arbeiten für einen mehr als 100 Meter langen und neun Etagen hohen Gebäuderiegel beginnen.

Entstehen werden dort unter anderem ein Hotel mit 167 Zimmern sowie 62 Mietwohnungen. Das passiert vis-a-vis des inzwischen fertiggestellten Hochhauses "Living Levels", dessen Baubeginn Anfang 2013 eine weltweit beachtete Protestwelle ausgelöst hat.

Ähnlich wie damals lauten auch jetzt die Argumente, die das Bündnis als offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller und Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (beide SPD) sowie Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) auf die Plattform change.org gestellt hat: Der Bau dieses "Betonmonsters" stehe gegen den Erhalt der Erinnerungskultur an diesem Ort und gefährde den Bestand der East Side Gallery. Da es sich bei der Kunstmeile um ein Denkmal handle, wäre eine solche Bebauung eigentlich auch "strikt verboten", meinen die Initiatoren und Unterzeichner. Denn sie greife empfindlich in den Wirkbereich des Gemäldeensembles ein und zerstöre es.

Gefordert wird deshalb ein sofortiger Baustopp und "kein weiter Teilabriss der East Side Gallery". Dem Investor solle ein Ausgleichsgrundstück, auf jeden Fall eine angemessene Kompensation angeboten werden. Verwiesen wird dabei auch auf den Koalitionsvertrag der rot-rot-grünen Landesregierung, die sich, wie es dort auf Seite 38 heißt, für den durchgehenden Erhalt der Mauerreste und der Grünfläche im Bereich der East Side Gallery sowie für Verhandlungen mit Investoren über Ausgleichsflächen einsetzten will.

Allerdings macht der Senat bisher keine Anstalten das in diesem Fall konkret umzusetzen. Dem würden bereits die abgeschlossenen Planverfahren und erteilte Baugenehmigungen entgegen stehen, hieß es schon im Vorfeld immer wieder. Abgesehen davon müsste etwa bei einem Geländetausch auch der Investor, die Trockland Management GmbH, mitspielen. Die hatte bereits bei der Bekanntgabe ihres Bauvorhabens Ende August betont, dass ihr der Stellenwert der Fläche und ihre "doppelte historische Bedeutung" bewusst sei. Was das konkret heißt, muss sich noch zeigen, vor allem, ob es zu einem weiteren Herausbrechen von Mauerteilen aus der East Side Gallery kommt.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.