Und immer wieder die Schulpolitik

Der Schulhof wird zu voll. Eine Angst in der Hunsrück-Grundschule, wenn sie mehr Kinder aufnehmen muss. (Foto: Thomas Frey)
 
Schüler, Eltern und Lehrer der Hunsrück-Schule sind gegen weitere Klassen. (Foto: Thomas Frey)
Berlin: Hunsrück-Grundschule |

Kreuzberg. Mit großen Anfragen Stadträte des anderen politischen Lagers zu traktieren, wird zu einem beliebten Spiel in der BVV. Auf den Riesenkatalog an Fragen der SPD zur Gerhart-Hauptmann-Schule folgten jetzt die Grünen mit einer ähnlichen Aktion.

Sie wollten in der BVV-Sitzung am 24. Juni eine umfassende Auskunft zur Schulpolitk im Bezirk, aufgehängt an der Hunsrück-Grundschule. Wie mehrfach berichtet, wehrt man sich dort dagegen eine weitere, dann vierte, erste Klasse aufzunehmen. Ein Mehr an Kindern bedeute weniger Räume für alle und damit sei das bisher erfolgreiche pädagogische Konzept gefährdet.

Für die Grünen-Fraktionsvorsitzende Paula Rieser ist der Ärger ein Ausdruck für viele Unklarheiten in der Schulplanung und fehlender Information. „Die Eltern wussten nicht Bescheid“, behauptete sie. Und warum bestehe überhaupt eine Notwendigkeit, die Hunsrück-Schule zu erweitern? Liege es vielleicht daran, dass die ursprünglich prognostizierten Schülerzahlen im Bereich SO36 zu gering eingeschätzt wurden? Denn bisher ging das Schulamt davon aus, dass bis zu 20 Prozent der Kinder, die hier leben, keine öffentliche Schulen im Bezirk besuchen. Nach Ansicht der Bündnispartei ist das überholt. Inzwischen gebe es, wenn überhaupt, eine weitaus geringere Abwanderung. Deshalb der Vorwurf, es wurde nicht auf die aktuelle Entwicklung reagiert oder das Amt habe sich schlicht verrechnet.
Was der verantwortliche Stadtrat Dr. Peter Beckers (SPD) bei seinen Antworten auf die mit Unterpunkten 40 Fragen natürlich zurückwies. Vielmehr sei es so, dass die Planungen immer von 100 Prozent eines Jahrgangs als künftige Schüler ausgehen würden. Auch wenn dieser Wert nicht erreicht werde. Um diese Kapazitäten in SO36 nachweisen zu können, musste auch auf die Hunsrück-Schule zurückgegriffen werden. „Sie ist die Differenz zwischen dem tatsächlichen Angebot und der in der Regel geringeren Nachfrage“, erklärte Beckers.

Deshalb sei auch nicht daran gedacht, die Schule grundsätzlich auf vier Züge auszuweiten, obwohl sie dafür eigentlich ausgelegt sei. Aber als eine Art Puffer wird sie anscheinend gebraucht. Ansonsten hätte es die Debatten der vergangenen Wochen gar nicht geben müssen. Wobei bisher noch nicht völlig klar ist, ob im Sommer 2016 an der Hunsrück-Schule wirklich eine weitere erste Klasse eingerichtet wird. Ausschlaggebend dafür ist der Bedarf, beziehungsweise die künftigen Einzugsgebiete sowie die Ergebnisse eines Gutachtens. Es soll unter anderem klären, wie viele Räume die Schule benötigt, ohne dass ihr Konzept beeinträchtigt wird.

„Es kann allerdings nicht sein, dass eine Schule privilegiert wird und die anderen etwas hergeben müssen“, meinte der Linke-Fraktionsvorsitzende Reza Amiri in der anschließenden Debatte. Ähnlich klang es bei seinem SPD-Kollegen Andy Hehmke. „Wir haben 54 Schulen im Bezirk.“ Davon hätten viele mit ganz anderen Platzproblemen zu kämpfen als die "Hunsrück".

Für Hehmke ist der starke Schülerzuwachs erst einmal als Erfolg zu werten. „Noch vor einigen Jahren hatten wir mit der entgegengesetzten Entwicklung zu kämpfen.“ Dass sich die Situation binnen kurzer Zeit ziemlich verändert habe, konnte niemand so vorhersehen können. Gerade auch die Grünen nicht, die aktuell nur Fragen stellen und Vorwürfe erheben, aber keinen Alternativvorschlag machen.

Die hielten das auch nicht für ihre Aufgabe, sondern sehen hier das Schulamt in der Pflicht. Und statt den Standard an der Hunsrück-Schule abzusenken, sollten nach Meinung der Bündnispartei am besten alle Schulen in puncto Ausstattung auf deren Niveau gebracht werden. tf
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