ist ein Miteinander möglich? Interessen für die Begegnungszone Bergmannstraße

Wenn Rad- auf Autofahrer trifft. Bisher kommt es in der Bergmannstraße regelmäßig zu Konflikten zwischen verschiedenen Verkehrsteilnehmern. Das soll sich mit der Begegnungszone ändern. (Foto: Thomas Frey)
 
Eine lebendige Straße mit vielen Angeboten oder eher eine eindimensionale Touristenmeile? Schon über den aktuellen Status der Bergmannstraße gibt es unterschiedliche Ansichten. (Foto: Thomas Frey)
Berlin: Bergmannstraßenfest |

Kreuzberg. Am 9. Februar hat die zweite Online-Beteiligungsphase für die Begegnungszone Bergmannstraße begonnen. Auf der Website: www.begegnungszonen.berlin.definden sich jetzt erste Planskizzen, die bewertet werden sollen. Und es geht insgesamt um ein Meinungsbild.

Das ganze Verfahren steht unter dem Motto: "Neues Miteinander in der Bergmannstraße". Ob das erreicht werden kann, muss sich aber noch zeigen. Denn es gibt viele unterschiedliche Wünsche und Interessen. Und manche wollen auch gar nichts verändern. Hier ein Überblick über die Fakten und die bisherige Diskussion.

Worum geht es bei der Begegnungszone? Unter diesem Stichwort sollen Straßen und Plätze in Berlin umgestaltet werden, um eine bessere Aufenthaltsqualität zu erreichen. Bereits geschehen ist das in der Maaßenstraße in Schöneberg. Nach der Bergmannstraße soll in zwei bis drei Jahren noch der Checkpoint Charlie folgen.

Alle sind gleichberechtigt

Bei einer Begegnungszone sollen alle Nutzer im öffentlichen Raum gleichberechtigt sein. Was natürlich eine Einschränkung für die Autofahrer bedeutet. Wie die Fläche darüber hinaus verteilt und gestaltet wird, ist wiederum eine entscheidende Frage im Beteiligungsprozess.

Erste Planvorgaben. Auf der Homepage der Begegnungszone wurden jeweils drei alternative Varianten für drei Abschnitte der Bergmannstraße eingestellt. Sie betreffen den Bereich am Gesundheitszentrum, an der Nostitzstraße sowie die Kreuzung Zossener, Friesen- und Bergmannstraße. Die Skizzen, die sich auf die beiden ersten Bereiche beziehen, sehen – analog der Verkehrsberuhigung – ein Weniger an Straßenfläche zugunsten breiterer Bürgersteige vor. Unterschiede gibt es bei der Anordnung der Fahrspuren oder der Gehwege auf der jeweiligen Seite. Bei einer Skizze findet sich auch eine Mittelinsel, die als Fahrradparkplatz genutzt werden soll.

Bei der Kreuzung plädiert eine Variante für einen Kreisverkehr. Das ist etwas überraschend, weil die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung lange darauf hinwies, dass dieser Bereich zu einer überörtlichen Straßenverbindung gehöre, der nicht ohne weiteres verkehrsberuhigt werden könnte. Erst bei einer Bürgerversammlung im September wurde angekündigt, die Kreuzung ebenfalls in das Vorhaben Begegnungszone einzubeziehen.

Konflikte programmiert

Setzt sich der Kreisverkehr durch, hätten Autos künftig Schwierigkeiten, diese Ecke zu passieren. Denn wenn auch hier alle gleichberechtigt sind, werden sich wahrscheinlich ständig Fußgänger auf der Straße befinden.

Die Reaktionen. Nicht nur Hans-Peter Hubert kann diesem Vorschlag deshalb einiges abgewinnen. Er ist Sprecher der Initiative "Leiser Bergmannkiez". Sie besteht vor allem aus Anwohnern der Friesenstraße, die sich über den Fahrzeuglärm vor ihrer Haustür ärgern und schon lange fordern, den Durchgangsverkehr zumindest zu erschweren. Durch den Kreisverkehr könnte das jetzt passieren.

Hubert und seine Mitstreiter sind auch ein Beispiel dafür, wie sich Initiativen im Beteiligungsprozess Gehör verschaffen und ihre Interessen vertreten können.

Das sehen aber nicht alle so. Immer wieder wird das ganze Verfahren als reine Farce bewertet und die Meinung vertreten, die Ergebnisse würden ohnehin bereits feststehen.

Auch bei der konkreten Bewertung der Planskizzen gehen die Ansichten weit auseinander. Bei fast allen war in den ersten Tagen die Ablehnung größer als die Zustimmung. Die Kommentare reichten von "so ein Quatsch" bis "bitte nicht", aber es gab auch Posts wie "Was gibt es an diesem Konzept zu kritisieren? Nichts!"

Dazu spielen bestimmte Anliegen und Wünsche oder deren Ablehnung eine Rolle. Wie sollen die Grün- und Aufenthaltsflächen gestaltet werden, mehr oder weniger Gastronomie, ein beruhigter Kiez gegen kein Leben wie auf dem Dorf – das sind nur einige Kontroversen.

Handel meldet sich zu Wort

Die Gewerbetreibenden. Von einer wichtigen Gruppe war lange relativ wenig zu hören. Nämlich den Geschäftsleuten in der Bergmannstraße. Inzwischen haben sich auch die Gewerbetreibenden organisiert und um ihre Belange geht es auch bei einer Veranstaltung am 18. Februar. Sie beginnt um 19.30 Uhr in der Aula des Leibniz-Gymnasiums, Schleiermacherstraße 23.

Noch immer gebe es Stimmen, die das Projekt grundsätzlich ablehnen. Aber die meisten würden sich inzwischen mit den Risiken und Chancen auseinandersetzen, sagt Stefan Neitzel, Inhaber der Fahrradstation in der Bergmannstraße, der mit anderen für ein möglichst gemeinsames Vorgehen geworben hat.

Wichtig sei vor allem, die Vielfalt der Straße zu erhalten, macht er klar. Außerdem spielten Fragen zum täglichen Betrieb in einer Begegnungszone eine Rolle. Etwa, wie der Lieferverkehr gewährleistet wird. "Wir haben auch nichts gegen weitere Bäume und eine Parkraumbewirtschaftung." Kritischer werde dagegen das Einrichten von Bänken oder weiteren Radparkplätzen gesehen. "Dann muss sichergestellt sein, dass dort regelmäßig gereinigt wird." Sich völlig gegen die Veränderungen zu sperren, bringe aber wenig, meint Neitzel. Entscheidend sei, wie sie mitgestaltet werden können.

Workshop am 4. März

Wie geht es weiter? Parallel zum Online-Dialog wird es am 4. März einen Workshop geben. Dazu gab es bereits eine Veranstaltung, zu der per Zufallsprinzip ausgewählte Personen eingeladen waren. Nach dem Ende der zweiten Beteiligungsphase findet eine weitere große Versammlung statt, bei der konkrete Umbaupläne vorgelegt werden sollen.

Alles mit dem Ziel, für das Projekt Begegnungszone eine zumindest deutliche Akzeptanz zu bekommen. Jeden zu begeistern, werde wahrscheinlich nicht gelingen, meint Baustadtrat Hans Panhof (Bündnis 90/Grüne). Wichtig sei aber, dass eine klare Mehrheit dahinter stehe. Dieses möglichst große Miteinander wird schwer genug. tf
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Marianne Ungeduld aus Kreuzberg | 16.02.2016 | 16:08  
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