Dement oder depressiv? Die Abgrenzung ist nicht leicht

Je älter man wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit an Demenz zu erkranken: Warnsignale sind Vergesslichkeit, Sprachprobleme und dass Alltagstätigkeiten nicht mehr so gut gelingen. (Foto: Westend61/Jan Tepass)

Zu Beginn ist eine Demenz nicht leicht zu erkennen. Gedächtnisstörungen können auch durch behandelbare psychische oder körperliche Erkrankungen hervorgerufen sein. Zum Beispiel durch eine Depression.

"Depressive Episoden führen vorübergehend auch zu Gedächtnisproblemen sowie zu Handlungs- und Orientierungsproblemen", sagt Prof. Wolfgang Maier, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Bonn. Umgekehrt werden Gedächtnisprobleme oft als persönliches Versagen erlebt, und Selbstwertprobleme sind ein Kennzeichen von Depression. Es ist nicht leicht, die Erkrankungen voneinander abzugrenzen.

Auch Prof. Alexander Kurz, Leiter des Zentrums für Kognitive Störungen am Klinikum rechts der Isar in München, warnt vor vorschnellen Diagnosen bei Gedächtnisproblemen. Alarmiert müsse man erst sein, wenn die Symptome zunehmen, wenn zusätzlich zur Vergesslichkeit weitere Probleme auftreten – wie Sprachschwierigkeiten oder Unsicherheit der zeitlichen Orientierung – und wenn Alltagstätigkeiten – wie Einkaufen, Kochen oder Banküberweisungen – nicht mehr so gut funktionieren wie vorher.

Psychologische Tests, die bei Hausärzten, Fachärzten und in Gedächtnissprechstunden an Kliniken, durchgeführt werden können, geben ersten Aufschluss darüber, ob eine Demenz vorliegt. Mit Hilfe von MRT- beziehungsweise CT-Aufnahmen des Gehirns oder durch eine Untersuchung des Nervenwassers kann eine Alzheimer-Erkrankung diagnostiziert werden. In Deutschland leben etwa 1,5 Millionen Betroffene. Je älter man wird, desto höher ist laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft die Wahrscheinlichkeit zu erkranken.

Doch gerade im Anfangsstadium der Krankheit weigern sich viele Betroffene zum Arzt zu gehen. "Wenn Angehörige den oder die Betroffenen auf seine oder ihre Gedächtnisdefizite ansprechen, löst dies verständlicherweise meist Beschämung aus", warnt Maier. Das Hauptproblem sei, dass die Familien zu Beginn der Erkrankung häufig kritisch und vorwurfsvoll reagierten. "In der Folge sinkt die Bereitschaft, zum Arzt zu gehen, Betroffene versuchen dann eher, Strategien zu finden, um ihre Defizite zu verbergen."

Diplom-Sozialpädagogin Saskia Weiß, die beim Beratungstelefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft in Berlin tätig ist, rät Angehörigen, darauf zu achten, wann Betroffene selbst Probleme ansprechen. "Gerade am Anfang machen Betroffene gelegentlich Bemerkungen wie "heute bin ich wieder so fahrig" oder "irgendetwas stimmt nicht mit meinem Kopf". Das kann man als Aufhänger nehmen, um seine eigene Sorge zu benennen und einen Arztbesuch vorzuschlagen", sagt Saskia Weiß. Sie empfiehlt, die Reizworte "Demenz", "Alzheimer" und "Gedächtnisstörungen" dabei erst einmal zu vermeiden. mag
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