Jugendliche denken nach über Schuld, Gesetz und Überwachung

Die 16-jährige Klara Pond (von l.), der 13-jährige Moritz Scheffer und der 19-jährige Walid Al-Atiyat haben sich mit der seltsamen Geschichte von Josef K. beschäftigt. (Foto: Friederike Faber)
Berlin: Heimathafen Neukölln |

Neukölln. In ihrer insgesamt fünften Produktion "Kafka im Kopf" setzen sich die jungen Laienschauspieler des Jugendclubs "Active Player NK" vom Heimathafen mit gesellschaftlichen Ängsten und Albträumen auseinander.

Es geht um Franz Kafkas unvollendeten Roman "Der Prozess" - geschrieben zwischen 1914 und 1915, veröffentlicht nach dem Tod des Autors 1925. Die Hauptfigur Josef K., ein 30-jähriger Prokurist einer Bank, wird eines Tages ohne ersichtlichen Grund verhaftet. Eine für ihn nicht greifbare, mysteriöse Gerichtswelt verurteilt ihn zum Tode. Den Grund für die Anklage erfährt er nie.

Viele Fragen stellen sich bei diesem Stoff - und die Jugendlichen gehen ihnen nah: Wer ist dieser Josef K.? Wer ist der Staat? Was sind Gesetze? Gibt es überhaupt die Demokratie? Und wer hat Angst vorm Schwarzen Mann - oder vor der "Lügenpresse"? Werde ich überwacht und wenn ja, von wem?

Ein halbes Jahr lang arbeiteten 19 Mitwirkende zwischen zwölf und 24 Jahren an diesem Stück, dessen Thema nur in groben Zügen von der Spielleiterin Maike Plath vorgegeben wurde. "Es geht bei unserem Projekt nicht darum, ein Thema eins zu eins umzusetzen, sondern darum, dass die Jugendlichen sich selbstständig damit auseinandersetzen und ihre eigene Deutung erarbeiten", erklärt die Theaterpädagogin.

Das bedeutet: Alle Mitwirkenden schreiben eigene Texte zu dem Stück, die in der Aufführung zum Tragen kommen. Es ist die insgesamt fünfte Theaterproduktion des Jugendclubs Active Player NK. Das Projekt des Vereins Mitspielgelegenheit und dem Heimathafen wird vom Projektfonds Kulturelle Bildung gefördert. Die jungen Mitwirkenden haben ganz verschiedene kulturelle und soziale Hintergründe, sie kommen aus Neukölln und anderen Bezirken. Diese Vielfalt spiegelt sich in ihrem Engagement auf der Bühne deutlich wider und kommt beim Publikum an. Maike Plath: "Unsere bisherigen Produktionen wurden immer sehr gut besucht."

Am 18. Juni um 19.30 Uhr feiert "Kafka im Kopf" seine Premiere auf der Studiobühne im Heimathafen in der Karl-Marx-Straße 141. Karten kosten fünf Euro. Weitere Infos und Aufführungstermine unter www.heimathafen-neukoelln.de sowie unter 56 82 13 33.

Sylvia Baumeister / SB
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