Die verleugnete Schwester Marlene Dietrichs

7. Dezember 2017
20:00 Uhr
Der Zauberberg, 12161 Berlin
Autor Heinrich Thies beleuchtet eine wenig bekannte Seite Marlene Dietrichs.
  • Autor Heinrich Thies beleuchtet eine wenig bekannte Seite Marlene Dietrichs.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Karen Noetzel

Das hätte ihren Ruhm nachhaltig beschädigt. In der Öffentlichkeit erzählte Marlene Dietrich stets, sie sei als Einzelkind mit ihrer Mutter aufgewachsen.

Privat traf sich die in Schöneberg Geborene nach dem Zweiten Weltkrieg regelmäßig mit einer zwei Jahre älteren Frau, bis diese 1973 starb. Es war die verleugnete Schwester der Diva, Elisabeth.

Der Grund, die Existenz einer Schwester totzuschweigen: Elisabeth hatte mit ihrem Mann Georg Will während des Krieges in Bergen-Belsen ein Kino mit Kantine betrieben. Bergen-Belsen, das war das Konzentrationslager bei Celle, das die Briten am 15. April 1945 befreiten; 60 000 Gefangene, Tausende Leichen, die überall im Lager lagen. 14 000 Menschen sind in den ersten fünf Tagen nach der Befreiung gestorben, weitere 14 000 in den folgenden Wochen.

Kantine und Kino befanden sich in den Kasernen der Panzerschule. Das KZ war nur wenige Hundert Meter entfernt. Im Kino entspannten sich Wehrmachtssoldaten und SS-Schergen.

Marlene Dietrich erfuhr in München im Gefolge von US-General Omar N. Bradley, wo sich ihre Schwester aufhielt. Bei den Briten erbat sie für die Schwester, ihr die Wohnung über dem Kino zu lassen und sie gegen Typhus zu impfen. Danach strickte Marlene Dietrich an dem Mythos, ihre Schwester sei wie andere Familienmitglieder, weil sie „ihren Namen“ trugen, ins Lager „hingesteckt worden“, also Opfer, wie Axel Frohn und Fritjpf Meyer im Jahr 2000 in der Zeitschrift „Der Spiegel“ berichteten. Die Presse erhielt einen Maulkorb. Als aber Schwester Elisabeth begann, wohlwollend über die Nazis zu reden, gab die Diva das Märchen vom Nazi-Opfer auf und verleugnete Elisabeth lieber.

Über diese weitgehend unbekannte Seite Marlene Dietrichs hat der Journalist und Schriftsteller Heinrich Thies ein Buch geschrieben. Der Autor stellt seine Doppelbiographie „Fesche Lola, brave Liesel“ am 7. Dezember 20 Uhr in der Buchhandlung „Der Zauberberg“, Bundesallee 133, vor, Eintritt fünf Euro, Anmeldung:  56 73 90 91.

Heinrich Thies, der auch erzählen, rezitieren und Fragen beantworten wird, tut dies an einem historischen Ort. Neben der Buchhandlung stand früher das Haus, in dem Marlene und Elisabeth von 1917 an zusammen mit ihrer Mutter Josephine von Losch lebten. Nach dem Auszug Marlenes blieb Elisabeth bei der Mutter. Von 1927 bis 1939 wohnte sie mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Sohn Hans-Georg in der damaligen Kaiserallee. Danach zog die Familie nach Bergen-Belsen.

Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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