Ziegel aus dem Norden für Berlin
Ausstellung im Museum Reinickendorf

Der Stempel verweist auf den Urpsrung des Ziegels aus Lübars.
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  • Der Stempel verweist auf den Urpsrung des Ziegels aus Lübars.
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Die Ausstellung „Aus Ton gebrannt“ im Museum Reinickendorf begibt sich auf die Spuren der Ziegeleien in Hermsdorf und Lübars.

Ein großer Teil der Ausstellung stammt aus den Beständen des Berliner Stadtfotografen und Experten für Märkische Ziegel, Karl-Ludwig Lange. Er hat an vielen Stellen in Berlin Ziegel gefunden, die in Hermsdorf und Lübars hergestellt wurden.

Aufgrund großer Tonvorkommen in der Region Berlin-Brandenburg entwickelte sich im 19. Jahrhundert eine aufstrebende Ziegelei-Industrie. Auch die Ziegeleien in Hermsdorf und Lübars trugen zu dieser Entwicklung bei. Die Ausstellung verfolgt ihre Spuren und erinnert mit historischen Fotos, Post- und Landkarten sowie originalen Backsteinen an ihre Bedeutung, ihren Niedergang und die Umwandlung ihrer Stätten zu Erholungsorten für die Berliner. So wie etwa das Strandbad Lübars, welches am Ziegeleisee liegt.

Lehm und Ton dienten schon bei der Gründung des Dorfes Lübars den Siedlern als wichtiger Baustoff. Doch erst mit der Einführung moderner Brennmethoden setzte im 19. Jahrhundert eine gewerbliche Nutzung ein. Schon Anfang des 19. Jahrhunderts befanden sich an der Ecke der heutigen Benekendorffstraße/Am Vierrutenberg eine Gemeinde-Lehmgrube und am Zehntwerderweg „Kühnes Ziegelei“.

Historie nicht ganz eindeutig

Nicht jede Entwicklung ist lückenlos dokumentiert. So entdeckte um 1850 der Lübarser Gastwirt August Seeger auf seinem Acker nördlich des Zehntwerderwegs Tonvorkommen. Rund vier Jahre später pachtete der Spandauer Ziegeleibesitzer E.F. Schulz dort ein größeres Gelände und errichtete darauf eine Ziegelei. Nach manchen lokalen Quellen soll die Ziegelei von 1870 bis 1880 stillgelegen haben. Allerdings gehörte sie zu dieser Zeit der „Hermsdorfer Portland-Cement-, Verblendziegel- und Thonwaarenfabrik Aktiengesellschaft“, was eher nicht auf Stillstand hinweist. Zudem entstand in jener Zeit das erste von insgesamt drei Familienhäusern für die Ziegeleiarbeiter an der heutigen Benekendorffstraße 85-91.

Der Name der Straße geht auf Franz Ulrich von Benekendorff zurück, einem Ziegeleibesitzer aus Freienwalde/Oder, der 1889 den Betrieb im Berliner Norden übernahm und als „Dampf-Ziegelei Hermsdorf – Lübars“ firmierte.

Das 2004 denkmalgerecht umgebaute Wohnhaus Junostraße 7 wiederum war das Direktions- und Wohngebäude der Hermsdorfer Tonwarenfabrik. 1866 hatte es der Gutsbesitzer Leopold Lessing errichtet.

Schornstein von Orkan zerstört

Zum Ende des 19. Jahrhunderts ging die Ziegelproduktion zurück. Das Eindringen von Grundwasser in die Tongruben verursachte hohe Kosten. Zudem konnte der Berliner Bedarf an Baumaterial günstiger gedeckt werden. Zement aus Oberschlesien und Westfalen sowie Ziegel aus Rathenow gab es dann zu günstigeren Preisen. Manchmal vernichtete auch die Natur Spuren der Ziegelei. Ein Schornstein, der vom Fabrikgebäude an der Junostraße übriggeblieben war, wurde 2002 von einem Orkan zerstört.

Die Ausstellung „Aus Ton gebrannt“ ist noch bis zum 2. September im Museum Reinickendorf, Alt-Hermsdorf 35, zu sehen. Geöffnet ist bei freiem Eintritt montags bis freitags sowie sonntags von 9 bis 17 Uhr. Ein Ton-Porträt am haus Alt-Hermsdorf 39.

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