„Nosferatu“ statt Flugzeuge
Im Jahr 1920 wurden die Johannisthaler Filmanstalten gegründet

Harry Mehner und Wolfgang May vor den früheren Albatros-Flugzeugwerken. Hier hatte bis 1990 das Defa-Studio für Synchronisation seinen Sitz.
  • Harry Mehner und Wolfgang May vor den früheren Albatros-Flugzeugwerken. Hier hatte bis 1990 das Defa-Studio für Synchronisation seinen Sitz.
  • Foto: Ralf Drescher
  • hochgeladen von Ralf Drescher

Vor rund 100 Jahren war das Medium Film noch jung. Im Januar 1920 fand es in Johannisthal eine neue Heimat, in den gerade gegründeten Johannisthaler Filmanstalten (JOFA).

Hintergrund war der verlorene Erste Weltkrieg. Deutschland durfte nun keine Flugzeuge mehr bauen und die ab 1909 am Rand des Flugplatzes errichteten Flugzeugfabriken standen leer.

„Da kam der Direktor der Albatros-Flugzeugwerke auf die Idee, in den großen Hallen Filmateliers einzurichten. Bereits im Mai 1920 liefen die Kameras. Hier in Johannisthal fand ein Filmstab dann alles, was benötigt wurde. Garderoben, Friseure, Requisite, Fundus, Beleuchtung, ein Musterkopierwerk – Entwicklungsanstalt – und sogar eine Gärtnerei“, berichtet Harry Mehner, früher Journalist beim Deutschen Fernsehfunk, heute freier Autor. Gemeinsam mit Wolfgang May, ehemaliger Bereichsleiter Filmproduktion der Studiotechnik Fernsehen, will Mehner im nächsten Jahr an das Jubiläum erinnern.

Während die Geschichte von Flughafen und Flugzeugbau nach zehn Jahren beendet war, war der Filmproduktion mehr Zeit beschieden. Hier entstanden bekannte Stummfilme wie „Nosferatu“ (1922) und „Fridericus Rex“ (1923), Tonfilme wie „Der Hauptmann von Köpenick“ (1931) und „Der große König“ (1942). Und selbst die deutsche Verfilmung „Titanic“ (1943) entstand in Johannisthal, für die Aufnahmen vom Schiffsuntergang wurde ein spezielles Wasserbecken angefertigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Defa das Areal. Als erster Nachkriegsfilm entstand Wolfgang Staudtes „Die Mörder sind unter uns“ mit Hildegard Knef, später unter anderem „Ehe im Schatten“ (1948) und „Das verhexte Fischerdorf“ (1961). „Dann verabschiedete sich die Defa und die Studios wurden vom Deutschen Fernsehfunk – später Fernsehen der DDR – übernommen. Ab 1969 wurden hier die Studios für das Farbfernsehen eingerichtet“, erzählt Harry Mehner.

Wolfgang May und Harry Mehner bemühen sich um eine angemessene Würdigung des Jubiläums "100 Jahre JOFA". So soll es unter anderem ein Buch, eine Stummfilmveranstaltung vor Ort und weitere Präsentationen geben, darunter eine Ausstellung. Erste Kontakte zum Medienbord Berlin Brandenburg und zur Filmhochschule in Babelsberg wurden bereits geknüpft.

Autor:

Ralf Drescher aus Lichtenberg

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