Lichterfelderin sammelt Rolltücher und kennt viele Geschichten dazu

Gisela Meyer sammelt seit fast 25 Jahren Rolltücher. Für die Lichterfelderin sind das auch Zeugnisse vergangener Alltagskultur.
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  • Gisela Meyer sammelt seit fast 25 Jahren Rolltücher. Für die Lichterfelderin sind das auch Zeugnisse vergangener Alltagskultur.
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Lichterfelde. Rolltücher sind mehr als nur ein Stück Stoff. Die gewebten Tücher, die zum Glätten der Wäsche benutzt wurden, können auch Geschichten erzählen, sagt Gisela Meyer. Die Lichterfelderin sammelt Rolltücher und hat sich intensiv mit allem, was dazugehört, beschäftigt.

"Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts gehörten drei Rolltücher zur Aussteuer jeder jungen Frau. Die Rolltücher waren zum Kaltmangeln erforderlich und nicht selten auch Statussymbol. Je reicher verziert und aufwendiger gearbeitet, desto wohlhabender waren die Besitzer", erzählt Gisela Meyer. Durch Zufall hatte sie ihre Leidenschaft für die Webtücher 1990 entdeckt. Als Gemeindekrankenschwester bekam sie von einer Patientin zwei alte, verstaubte Rolltücher geschenkt. Zunächst wusste sie nichts damit anzufangen. Allerdings faszinierten sie schon die eingewebten Motive: Heinzelmännchen und stilisierte Lilien aus der Zeit des Jugendstils. Als sie von einer anderen Patientin ebenfalls ein Rolltuch bekam mit einem ganz anderen Muster, war ihr Interesse geweckt. "Von nun an zog mich jedes Rolltuch auf Trödelmärkten und in Antiquitätenläden an", erinnert sich Gisela Meyer an die Anfänge ihrer Sammelleidenschaft. Inzwischen umfasst ihre Sammlung 542 verschiedene Rolltücher.

Am meisten interessieren die Sammlerin die mustergewebten Tücher. "Hier werden häufig Waschszenen mit fröhlichen Frauen dargestellt. Diese Szenen und die Abbildungen von Waschutensilien erinnert an die heutige Werbung." Die Motive spiegeln auch die Zeit wider, in der sie entstanden sind. Frauen in engen Korsetts und bodenlangen Röcken sind auf Tüchern aus der Gründerzeit zu sehen, großzügige florale Muster stammen aus der Zeit des Jugendstils, eine strenge Musterung und Frauen mit Bubikopf sind auf Rolltüchern im Art déco- und Bauhausstil abgebildet. Zum Teil sind ganze Bildgeschichten eingewebt, die von Heinzelmännchen, Schornsteinfegern und glücklichen Familien erzählen.

Die Rolltücher waren ein wichtiges Hilfsmittel beim Wäschemangeln. "Bett- und Tischwäsche aus Leinen oder Baumwolle wird richtig schön glatt, wenn sie kalt gemangelt wird. Dazu wurde sie um runde Rollhölzer gewickelt und in der Mangel mit großem Druck gerollt. Um die Wäschestücke zu schützen und faltenfrei zu rollen, mussten sie vor dem Mangeln in Rolltücher eingeschlagen werden", erklärt die Expertin.

Sie weiß auch so manche Anekdote zu erzählen. Wie die von Roll-Hermann, der eigentlich Hermann Hube hieß. Er wohnte in der Hubertusstraße 5. Es hieß, er habe den Verstand verloren, war aber harmlos und freundlich. An der Albrechtstraße bot der Mann mit Melone auf dem Kopf Frauen an, die schweren Wäschekörbe zur Mangel zu tragen. Sein Ruf: "Ham se wat zu rollen?" klang bei jedem Wetter durch die Straßen.

In einem Vortrag im Bürgertreffpunkt Bahnhof Lichterfelde West berichtet Gisela Meyer über Rolltücher und deren Geschichte. Termin: Mittwoch, 4. Februar, 15 Uhr, Hans-Sachs-Straße 4d. Eintritt: fünf Euro.
Karla Menge / KM

Gisela Meyer sammelt seit fast 25 Jahren Rolltücher. Für die Lichterfelderin sind das auch Zeugnisse vergangener Alltagskultur.
Zeugnisse vergangener Alltagskultur: Gisela Meyer sammelt seit fast 25 Jahren Rolltücher.
Autor:

Karla Rabe aus Steglitz

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