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Streit auf dem Rücken von 80 Geflüchteten

Auch diese Frauen mussten mit ihren Kindern umziehen. Eilig wurden die wenigen Sachen zusammen gepackt.
Auch diese Frauen mussten mit ihren Kindern umziehen. Eilig wurden die wenigen Sachen zusammen gepackt. (Foto: K. Rabe)

Lichterfelde. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte, heißt es. Im Falle der Auseinandersetzung zwischen dem Betreiber von Flüchtlingsunterkünften, Gierso, und dem Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) trifft das Sprichwort nicht zu. Weil der Streit anhält, mussten 80 Flüchtlinge aus ihrer Unterkunft ausziehen.

Plastiksäcke mit Kleidung, Kleinmöbel und eilig gepackte Taschen mit Dingen des persönlichen Bedarfs konnten die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft an der Goerzallee 56, und der Unterkunft Klingsorstraße nur noch in aller Eile packen. Erst ein paar Tage zuvor hatten sie vom LAF die Aufforderung bekommen, ihre Sachen zu packen.

Bereits Ende Juni hatte das LAF die Betreiberverträge mit der Gierso gekündigt. Kurz darauf einigten sich die Vertragspartner darauf, gemeinsam nach einer Lösung zugunsten der Flüchtlinge zu suchen.

„Die Verhandlungen zwischen Gierso und LAF sind gescheitert. Es gab keine andere Lösung mehr als den Auszug“, sagte eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Integration auf Anfrage der Berliner Woche.

Die Asylbewerber müssen den Streit zwischen LAF und Gierso nun ausbaden. Sie leben jetzt in einer gerade eröffneten modularen Unterkunft in Berlin-Buch – am anderen Ende der Stadt. „Wenn die Tempohomes in der Lissabonallee in etwa sechs Wochen bezugsfertig sind, können die Menschen wieder zurück in den Bezirk ziehen“, sagte die Sprecherin. Für die Schulkinder werden Shuttle-Busse eingerichtet, sodass sie an ihrer Schule bleiben können.

Warum die kurze Zeit nicht noch in den Gierso-Unterkünften überbrückt werden konnte, ist für Außenstehende nicht nachvollziehbar. „Es wäre doch menschlicher gewesen, die Familien bis zur Fertigstellung der Tempohomes in Zehlendorf noch hier wohnen zu lassen“, sagt Conny E., eine ehrenamtliche Betreuerin.

Seitens der Gierso wäre das auch möglich gewesen. Hätte das LAF zugestimmt, hätten die Bewohner bleiben können. Allerdings zu einem anderen Preis. Beide Unterkünfte werden von der Gierso als Mieter der Häuser vertragsfrei weiter betrieben. Das heißt, freie Plätze werden nunmehr Jobcentern und Sozialämtern angeboten und generell Wohnungslosen zur Verfügung gestellt. Darauf wollte sich das LAF nicht einlassen. „Wir haben kein Vertrauen mehr in die Gierso“, erklärt die Sprecherin. Ähnliches war von Tobias Dohmen zu hören: „Es gibt seriöse Vertragspartner und es gibt das LAF.“ KaR

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