Denkmalgeschützt im Untergrund: U-Bahnhöfe sind herausragende Nachkriegsbauten

Markant: Keramikmosaik auf der kompletten Hintergleiswand.
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Siemensstadt. Wer jetzt mit der U-Bahn von Siemensdamm zum Rathaus fährt, oder umgekehrt, ist auf hohem Niveau unterwegs – in denkmalgeschützten U-Bahnhöfen, die als besondere Zeugnisse der Nachkriegsmoderne gelten.

Nicht von ungefähr hatten BVG und Senatskulturverwaltung am 28. März in den U-Bahnhof Paulsternstraße geladen. Dort teilten sie mit, dass fünf Tage zuvor die sieben U-Bahnhöfe von Siemensdamm bis Rathaus Spandau in die Berliner Denkmalliste aufgenommen wurden.

Als der Architekt Rainer Gerhard Rümmler (1929 – 2004) den U-Bahnhof Paulsternstraße plante, hatte er ein Problem – er konnte sich nicht auf eine markante oberirdische Umgebung beziehen. Das hatte er für Siemensdamm und Rohrdamm ebenso getan wie an der Zitadelle. Die Bahnhöfe in der Nähe des Weltkonzerns zeigen, mit welchen Produkten Siemens groß wurde. Wer im U-Bahnhof Zitadelle aussteigt, wähnt sich schon in der Festung. Rund um die Paulsternstraße fand sich jedoch nur ein eher gesichtsloses Gewerbegebiet.

Der Architekt lässt seine Fantasie spielen

Rümmler besann sich auf das, was dort früher einmal war, nämlich Wildnis. Durch diese Wildnis dachte er sich eine Landstraße, auf der eine Kutsche sich auf die Tagesreise von Berlin nach Spandau – oder umgekehrt – macht. Im Bereich der heutigen Paulsternstraße befand sich ein Gasthaus, das irgendwann nach dem Besitzer Paul Stern benannt wurde. Architekt Rümmler stellte sich vor, wie sich die Reisenden fühlen, wenn sie im von Wildnis umgebenen Gasthaus Rast machen und in einen klaren Himmel blicken – der Referatsleiter für Bauentwurf des Senats wurde zum Erfinder einer fantastischen Erzählung. Landeskonservator Jörg Haspel spricht dann auch davon, dass die Paulsternstraße „einzigartig im Berliner Netz und das ausgereifteste Beispiel von Rümmlers erzählerischen U-Bahnhöfen“ sei.

Woanders „erzählt“ Rümmler anderes: Haselhorst nimmt wie Siemens- und Rohrdamm Bezug auf die einst nahe Industrie, für Altstadt Spandau ließ sich der Architekt von der nahe gelegenen Nikolaikirche inspirieren. Der Fahrgast betritt einen weißen Innenraum, der von Doppelstützreihen aus weiß emailliertem Stahlblech mit roten Fugen rhythmisiert wird.

Der U-Bahnhof Rathaus Spandau ist schließlich für die Denkmalschützer „eine der ausdrucksstärksten U-Bahnhofshallen Berlins“. Gestalterische Anleihen kommen vom Rathaus, der Bahnhof wird als „vornehmes Foyer für die Altstadt“ gesehen. Gebaut wurden die jetzt besonders geschützten U-Bahnhöfe in den Jahren 1979 bis 1983, eröffnet zwischen 1980 und 1984. Mit ihnen stehen jetzt 88 der insgesamt 173 Berliner U-Bahnhöfe unter Denkmalschutz. Den Komfort für die Fahrgäste mindert das nicht. Uwe Kutscher, Abteilungsleiter Infrastruktur bei der BVG, sagt, dass zum Beispiel der Einbau von Aufzügen kein Problem sei. CS

Autor:

Christian Schindler aus Reinickendorf

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