Einst ein Ort der Erholung
Wilhelmsruher See: Bezirksamt plant die Renaturierung des übel riechenden Gewässers

Hansjürgen Zurth badete noch als Kind im Wilhelmsruher See.
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Der Wilhelmsruher See machte in den vergangenen Jahren mehr Probleme als Freude. Aber es besteht Hoffnung, dass er wieder zu einem idyllischen Ort wird.

„In dem See haben wir als Kinder gebadet. Es gab sogar einen Sprungturm“, erinnert sich Hansjürgen Zurth. „Am Ufer befand sich eine Gaststätte. Es war ein richtiger Ort der Erholung.“ Der 92-jährige Wilhelmsruher wohnte nur zwei Häuser weiter. „Wir sind immer über die Höfe zum See gekommen. Und im Winter wurde Schlittschuh gelaufen.“ Bis in die 40er-Jahre wurde in diesem Gewässer noch gebadet, meint Zurth. Seit Anfang der 50er ging dort aber seiner Erinnerung nach niemand mehr ins Wasser. Irgendwann kümmerte sich die Kommune nicht mehr um den See. Er wurde mehr oder weniger seinem Schicksal überlassen. Ins Blickfeld der Öffentlichkeit rückte er erst wieder vor einigen Jahren. Wochenlang war das Gewässer rot gefärbt. Und es stank bestialisch. Anwohner beschwerten sich beim Bezirksamt. Der See war stark mit Blaualgen befallen.

Doch für eine Sanierung fehle auf absehbare Zeit das Geld, hieß es seinerzeit aus dem Bezirksamt. Wilhelmsruher wollten es dabei nicht bewenden lassen. Sie gründeten 2015 unter dem Dach des Bürgervereins „Leben in Wilhelmsruh“ den Arbeitskreis Wilhelmsruher See. „Wir haben uns mit der Geschichte des Gewässers beschäftigt“, sagt Ralf-Peter Rose vom Arbeitskreis. „Und wir haben uns für Maßnahmen zu Verbesserung der Wasserqualität eingesetzt.“ Aus diesem Engagement habe sich inzwischen eine gute Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachbereichen des Bezirksamtes entwickelt, so Rose. Man sei im Gespräch, musste aber auch erkennen, dass eine Sanierung des Sees nicht so einfach ist.

Bei diesem See handelt es sich nämlich nicht um ein natürliches Gewässer. Als in Wilhelmsruh in den 20er-Jahren viel gebaut wurde, brauchte man Sand. Und der wurde vor Ort gewonnen. Irgendwann war die Grube so tief, dass sie mit Grundwasser volllief. Der fehlende Zufluss ist einer der Gründe für den schlechten Zustand des Sees. Aber auch die derzeitige Uferbefestigung, Grundwasserprobleme und Störungen im Ökosystem gehören dazu. Deshalb beschlossen die Pankower Verordneten 2014, dass der See renaturiert werden soll.

Erste Maßnahmen habe es bereits gegeben, berichtet Umweltstadtrat Daniel Krüger (für die AfD). Die massenhafte Vermehrung von Blaualgen wird inzwischen mit Ultraschall unterbunden. Mit Erfolg. Außerdem ist der See von Gutachern analysiert worden. Dabei wurde festgestellt: Es reicht nicht, den Schlamm zu entfernen, weitere Maßnahmen sind nötig.

Was getan werden soll, wird derzeit in den Fachämtern des Bezirks diskutiert. Außerdem hat das Bezirksamt Mittel in Millionenhöhe für die Renaturierung beantragt. „Wir hoffen, dass es noch in diesem Jahr eine Entscheidung gibt. Und wir sind optimistisch. Denn zurzeit ist das nötige Geld für solche Vorhaben im Land Berlin vorhanden.“

Mit dem Wilhelmsruher See beschäftigten sich in den vergangenen Monaten auch Kinder aus dem Hort der Pankower Früchtchen und aus der Schule Eins. Sie führten ein Forschungsprojekt „lupenrein &wasserfest“ durch. Gefördert wurde es von der Bayer-Stiftung. Unter anderem erforschten sie, woran es liegt, dass sich so viele Blaualgen im See bildeten. „Wir stellten fest, dass das mit der Fütterung von Enten zusammenhängt. Immer wieder werfen Leute hier Brot rein“, sagt Theresa. „Weil wir möchten, dass der See nicht noch dreckiger wird, haben wir Plakate gegen die Entenfütterung entworfen.“ Eines der Motive der Kinder werde nun vom Bezirksamt in Druck gegeben, berichtet Stadtrat Krüger. Das wird rund um den See aufgehängt. „Wir hoffen, dass wir mit einem Plakat von Kindern mehr Aufmerksamkeit erzeugen als mit einem Schild vom Amt.“

Das Engagement der Schüler sprach sich inzwischen herum. Kürzlich konnten sie eine chinesisch-deutsche Jugendgruppe zu einem Forscher-Picknick am Wilhelmsruher See begrüßen. Die Gruppe befindet sich auf einer Rundreise durch Deutschland. Sie besucht Projekte, die sich mit dem nachhaltigen Umgang mit Wasser befassen.

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