Ideensuche für Lärmminderung im Mierendorff-Kiez

Hektische Mierendorff-Insel: Obwohl ein Großteil des Verkehrs per U 7 unter der Erde fließt, nervt oben der Lärm. (Foto: Schubert)

Charlottenburg. Insellage schützt nicht vor starkem Verkehr. Und damit die Anwohner rund um den Mierendorffplatz zur Ruhe kommen, diskutierten sie nun mit Stadtrat Marc Schulte (SPD) über mögliche Maßnahmen. Aber mitten in die Debatte platzen Pläne für eine Tram.

Rumpelt es nun oder rumpelt es nicht? Fragt man die Fahrer der BVG-Busse, hört man ein Nein. Aber die Anwohner der Keplerstraße nicken energisch - und wollen eine leise Fahrbahn vor ihren Türen. Lärmempfinden ist eine subjektive Sache. Das gilt im Allgemeinen und auf der Keplerstraße im Besonderen. Und zwischen dem Bedürfnis nach einem flüssigen Vorwärtskommen und dem kostspieligen Wunsch der Anwohner nach Verkehrsberuhigung sitzt Stadtentwicklungsstadtrat Marc Schulte (SPD) als einer der Entscheider. Im Haus am Mierendorffplatz hörte er nun die Bürgernöte und bedachte zugleich die Prinzipien der Verkehrslenkung Berlin, wonach gutes Durchkommen in der Regel wichtiger ist als Stille. Er steckt mitten im Dilemma.

"Not in my Backyard" - also "nicht in meinem Hof". Diese Mentalität macht zum Beispiel Entscheidungen über Bremsschwellen in der einen Straße zum Politikum in einer anderen. Denn dorthin weichen Autofahrer sehr wahrscheinlich aus. "Wenn man an einer Stelle das Tempo drosselt, sucht sich der Verkehr andernorts Schleichwege", gibt Schulte zu Bedenken. Prüfen will er Anregungen aber in jedem Fall.

Was die Menschen auf der Mierendorff-Insel neben rumpelnden Bussen noch nervt, sind allzu flotte Lkw auf der Tauroggener Straße und Olbersstraße, Raserei am Mindener Weg und der dichte Verkehr vom und zum Flughafen Tegel. Doch in dieses ungeliebte Konzert aus Rauschen und Brummen könnte sich künftig auch noch ein Quietschen mischen: Im Interview mit der "Berliner Zeitung" hat Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) kürzlich nochmals seine Vorliebe für eine Verlängerung der Straßenbahn vom Hauptbahnhof bis zum Mierendorffplatz zum Ausdruck gebracht. Und dafür das Jahr 2025 ins Visier genommen. Was das für den Verkehr auf der Charlottenburger Insel bedeutet? Vermutlich keine Stille.

"Wir müssen sehen, wie realistisch das Ganze ist", nimmt Schulte zu den Tram-Plänen Stellung. Natürlich könne es geschehen, dass der lärmmindernde Umbau von Straßen dadurch hinfällig wird, dass die BVG Gleise legt. Verkehrspolitik auf Bezirksebene - auch ein Spiel der Unwägbarkeiten.

Im Fall der Busse an der Keplerstraße könnte die Lösung allerdings einfacher sein als geglaubt. Ob man nicht einfach die Fugen, die seiner Ansicht nach zum Rumpeln der Busse führen, glätten könne, fragt ein Mann. Stadtrat Schulte prüft.


Thomas Schubert / tsc
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