84 Bäume weichen Hochhaus: WBM lässt bis Februar Bäume für Wohnturm auf der Fischerinsel fällen

Das Hochhaus vom Mühlendamm aus gesehen. z (Foto: DMWS/bzz)
Berlin: Fischerinsel |

Mitte. Für das geplante Gebäudeensemble inklusive Hochaus mit knapp 200 Wohnungen auf dem Eckgrundstück Fischerinsel / Mühlendamm werden bis Februar 84 Bäume gefällt.

Nur elf der insgesamt 95 Bäume auf dem Baugrundstück vor den DDR-Plattenbauriesen können stehen bleiben. Darunter ist ein Baum, der über 100 Jahre alt ist. Um ihn zu erhalten, wurden die Planungen überarbeitet, sagte WBM-Chefin Christina Geib bei der Vorstellung der Neubaupläne im BVV-Bauausschuss. Die Tiefgarageneinfahrt sei extra verlegt worden, so Geib. Dadurch wird es nur noch 90 Stellplätze geben.

Ob der Bau für das umstrittene Hochhaus Ende 2016 starten kann, ist noch unklar. Im April starten erst einmal großflächige archäologische Untersuchungen. Dadurch verzögert sich der Baubeginn mindestens um ein halbes Jahr, sagte Christina Geib. Bei Voruntersuchungen im sogenannten Roßstraßenblock wurden in allen vier Probelöchern „archäologisch relevante Befunde festgestellt“, heißt es. Deshalb soll das Areal vor der Bebauung komplett freigelegt werden. Ausgegraben wurden bisher die Kellerreste der ehemaligen Vorderhäuser Fischerstraße 5 und Roßstraße 29-30 sowie die alte Fischerstraße. In einem Haus könnte es eine Sargfabrik gegeben haben, sagte Geib. Darauf deuten gefundene Sarggriffe hin. Knochen wurden nicht entdeckt.

Die 64 Stellplätze auf dem Eckgrundstück Fischerinsel / Mühlendamm sind bereits gekündigt. Komplett vermietet waren sie nicht, sagte WBM-Sprecherin Steffi Pianka. Auf dem Grundstück möchte die Wohnungsbaugesellschaft Mitte einen U-förmigen Gebäuderiegel bauen, aus dessen Sockel am Mühlendamm zur Mühlendammbrücke hin ein Hochhaus emporwächst. Das sieht der Entwurf des Architekturbüros DMSW vor, das einen europaweiten Wettbewerb für Wohnungsneubau auf der Fischerinsel gewonnen hat. Die sechs DDR-Hochhäuser aus den 1970-er Jahren auf der Fischerinsel mit 21 Stockwerken und 65 Meter Höhe bekommen einen etwas kleineren Bruder. Das WBM-Hochhaus soll 58 Meter in den Himmel ragen und 19 Geschosse haben. Gegen den Wohnturm regt sich Widerstand. Zu den Kritikern der WBM-Hochhauspläne gehören der frühere Senatsbaudirektor Hans Stimmann und Geschichtsvereine wie der Verein Berliner Historische Mitte, der sich für die Rekonstruktion des historischen Stadtkerns einsetzt. Er hat beim Abgeordnetenhaus eine Petition gegen das Hochhaus eingereicht und fordert, „das Projekt weit zurückzustellen“, wie Hubertus Müller vom Verein Historische Mitte im Ausschuss sagte. Im Planwerk Innere Stadt der Senatsbauverwaltung von 1999 war an der Stelle kein Hochhaus vorgesehen. Auf dem Grundstück sollten vier- bis sechsgeschossige Häuser entstehen, die sich am früheren Stadtgrundriss orientieren. Das Areal rund um die Fischerinsel gilt als Keimzelle Berlins.

In dem Wohnturm und der achtgeschossigen Randbebauung will die WBM etwa 90 kleine Wohnungen bauen, die besonders für Senioren geeignet sind. Auch zwei integrierte Senioren-Wohngemeinschaften sind geplant. Rund 100 Wohnungen sollen Größen von einem bis fünf Zimmer haben. Ein Drittel der Wohnungen soll mit Fördermitteln des Landes errichtet werden und zu Quadratmeterpreisen von etwa 6,50 Euro (kalt) angeboten werden. Im Erdgeschoss soll es kleinere Läden für die Nahversorgung geben. DJ
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