Motoryachten vor dem Schloss: Bezirk will Bauhafen als Anlegestelle für Ausflugsdampfer

Der Bauhafen für die U5 gegenüber vom Humboldt Forum genannten Schlossnachbau soll wieder zugeschüttet werden. Der Bezirk möchte, dass er als Anlegestelle bleibt. (Foto: Dirk Jericho)
Berlin: Rathausbrücke |

Mitte. Die Ausschreibungen sind raus, die Zeit drängt. Die BVG will ab Februar den für den U5-Bau errichteten Hafen für Transportschiffe an der Rathausbrücke wieder zurückbauen.

Die U-Bahnröhren für die U5-Verlängerung unter der Spree bis zum Brandenburger Tor sind fertig, die Tunnelbohrmaschine Bärlinde demontiert und raus. Jetzt wird der Bauhafen am Nikolaiviertel nicht mehr benötigt. Er war 2012 errichtet worden, damit Lastkähne die rund 250 000 Tonnen Sand, Schlamm und Steine, die Bärlinde unterirdisch ausgebuddelt hat, über die Spree abfahren konnten.

Das neun Meter vom Ufer gegrabene und 80 Meter lange Hafenbecken war notwendig, damit während der Bauzeit die Touridampfer weiter zwischen Liebknecht- und Rathausbrücke entlang tuckern konnten. Laut Planfeststellungsbeschluss muss die BVG den Bauhafen aber zurückbauen und den alten Zustand wieder herstellen. Die originalen Uferfassaden wurden dafür eingelagert.

Der Rückbau kostet etwa einen Million Euro. Eine sinnlose Ausgabe, schimpfen jetzt viele. „Da wird unnötig Geld verpulvert“, so SPD-Fraktionsvize Stefan Draeger. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hatte sich im Sommer für den Erhalt des Bauhafens und einen Ausbau zur Anlegestelle für Ausflugsdampfer ausgesprochen. Eine Marina für Touristenboote würde ebenfalls gut zum Park des Marx-Engels-Forums passen.

Auch der neue Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) will nicht, dass das Becken wieder zugeschüttet wird. „Der verbreiterte Flusslauf am Humboldt Forum ist eine schöne Sache“, so Gothe. Er plädiert dafür, das Geld für den Hafenrückbau „auf die hohe Kante zu legen und für die Ufergestaltung auszugeben, wenn klar ist, wie das Marx-Engels-Forum nach dem U-Bahnbau gestaltet werden soll.“

Wie U5-Projektleiter Jörg Seegers sagt, seien die Ausschreibungen für den Rückbau bereits raus, erste Angebote schon da. Die BVG sehe das Thema „völlig wertneutral“ und habe schon länger darauf hingewiesen, sich frühzeitig um einen möglichen Erhalt des Hafens zu kümmern. „Das ist jetzt alles ein bisschen spät“, so Seegers. Wenn der Senat die BVG von der Pflicht des Rückbaus entbinde und die bereits aufgelaufenen Kosten übernehme, könnte man das Zuschütten noch stoppen.

Wie Martin Pallgen, Sprecher von Bausenator Andreas Geisel (SPD), sagt, will der Senat „eine Anlegestelle ermöglichen“. Verantwortlich für den Hafen ist das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) des Bundes, da es sich bei der Spree um eine Bundeswasserstraße handelt. Laut Pallgen liegt dort ein Antrag des Reedereiverbandes für einen Schiffsanleger vor. Das WSA hat eine Stellungnahme des Bezirkes Mitte und des Senats erbeten.

„Wir begrüßen eine Nachnutzung als dauerhafte Anlegestelle“, so Pallgen. „Sollte das WSA eine positive Entscheidung für eine Anlegestelle nach Bundeswasserstraßengesetz in Aussicht stellen, werden wir die BVG sofort befristet von der Rückbauverpflichtung freistellen; nach erteilter Genehmigung dann dauerhaft.“ Stefan Draeger hat noch Hoffnung, „diese Geldverschwendung zu verhindern“. Die SPD baue „auf die Einsicht bei allen Beteiligten. DJ
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Ulrich Frucht aus Zehlendorf | 12.11.2016 | 08:18  
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