Was beim Streiten nicht geht: Laut werden und Pauschalvorwürfe

Raus aus der Schmollecke: Richtig streiten will gelernt sein. (Foto: Bodo Marks)

Bei manchen dauert es lange, bei anderen reicht der falsche Joghurt für ein Wortgefecht. Fakt ist: Alle Paare streiten. An sich nichts Negatives, wenn nur keiner der Partner unter die Gürtellinie geht.

Paare bräuchten eine konstruktive Streitkultur, sagt der Paarberater Ferdinand Krieg aus Berlin. Der Grundsatz sollte lauten: Wir können über alles reden. "Viele haben das nie gelernt." Auf keinen Fall sollte es beim Streiten ums Gewinnen gehen.

Paartherapeut David Wilchfort veranschaulicht das so: Beide Partner sind mit einem Seil verbunden. Wenn einer den Spielraum zu sehr ausreizt, spürt der andere, wie sich das Seil spannt. Und reflexartig zieht er daran. Schon entwickelt sich ein handfestes Tauziehen. Und dann? Der Klügere gibt nach? Nein, sagt Wilchfort. "Es muss heißen: Die Klügeren geben gleichzeitig nach." Erst wenn beide aufeinander zugehen, löst sich die Spannung im Seil.

"Immer lässt du deine Sachen herumliegen" oder "Nie gehst du einkaufen" – solche Verallgemeinerungen sind "Killersätze", sagt Krieg. Denn Pauschalvorwürfe lassen dem anderen keinen Spielraum. Besser sei es, ein positives Beispiel zu nennen. Etwa so: "Früher hast du jeden Abend den Müll heruntergebracht."

Der Ton macht's

Ob etwas verletzend wirkt oder nicht, hängt auch davon ab, wie man etwas sagt. Eine Du-Botschaft wie "Du bist so ein schlampiger Typ" klingt schon von der Formulierung her aggressiv. Denn so wird eine sachliche Kritik zum persönlichen Angriff, erklärt Krieg. Besser sind Ich-Botschaften wie diese: "Ich fühle mich unwohl, wenn das Wohnzimmer unordentlich ist."

Warum wird es im Streit so oft laut? Weil Paare dabei schnell in eine Streitspirale geraten, erklärt Krieg. Jeder zückt seine Waffen, und der Kampf steigert sich immer mehr. Bald hat sich der Streit so hochgeschaukelt, dass keiner mehr einen Ausweg weiß. Gut sei dann eine Streitpause, rät die Psychologin Felicitas Heyne. "Dann sagt man: Pass auf, ich glaube, wir können gerade nicht mehr vernünftig miteinander reden. Wir treffen uns in 20 Minuten wieder und sprechen dann in normaler Lautstärke weiter." Auch ein Ortswechsel hilft – Ferdinand Krieg empfiehlt einen gemeinsamen Spaziergang in der Natur.
dpa-Magazin / mag
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