Hoher Besuch in Neukölln

Nach einer Besichtigung des BVV-Saals erläuterte Franziska Giffey dem Botschafter und seiner Frau Kimberley die Schwerpunkte ihrer Bezirkspolitik. (Foto: Sylvia Baumeister)

Neukölln. Am 16. August empfing Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) John B. Emerson in Begleitung seiner gesamten Familie im Rathaus. Gemeinsam tourten sie durch Nord-Neukölln. Ihr Hauptinteresse galt den Themen Einwanderung und Integration.

Der Ruf Neuköllns war auch über die Landesgrenzen hinaus lange Zeit nicht der Beste, aber das hat sich inzwischen wohl geändert. Denn nicht nur der amerikanische Botschafter John B. Emerson zeigte großes Interesse bei einer kleinen Kieztour durch den Nordteil des Bezirks, sondern auch seine Ehefrau Kimberley und seine drei Töchter. „Wir haben schon so viel über Neukölln gehört, dass wir es unbedingt mal kennenlernen wollten“, meinten die 19-jährigen Zwillinge Taylor und Hayley bei der Besichtigung des BVV-Saals im Rathaus.

Bereits zuvor, gleich nach dem Empfang durch die Bürgermeisterin, schrieb der Botschafter, der selbst deutsche Wurzeln hat, auf Deutsch ins Neuköllner Gästebuch: „Ähnlich wie in vielen amerikanischen Städten und Stadtteilen, machen Einwanderer Neukölln zu dem, was es ist.“ Wie das in der Realität aussieht, und welche Probleme dieser Bezirk hat, in dem 43 Prozent aller Einwohner einen Migrationshintergrund haben, erklärte die Bürgermeisterin ihren Gästen noch im Rathaus.

Emerson erfuhr, dass der Bezirk zwar einen Etat von 800 Millionen Euro jährlich zur Verfügung hat, davon aber 76 Prozent allein für Transferleistungen draufgehen. Und dass der einzige Weg, aus dieser Misere herauszukommen, die Investition in die Bildung der Kinder ist. „Wir glauben, sie ist der Schlüssel zu einer gelungenen Integration und zur Lösung unserer Probleme“ sagte Giffey.

Wie gelungene Integration aussehen kann, davon konnten sich die Emersons beim Besuch des 1754 erbauten Museums im Böhmischen Dorf ein Bild machen. Cordelia Polinna, ihre Mutter Brigitta und Enkelin Antonia, deren Vorfahren sich als böhmische Glaubensflüchtlinge vor elf Generationen hier angesiedelt haben, führten die Emersons durch ihr kleines Museum und erklärten ihnen dabei die Geschichte der Böhmischen Flüchtlinge in Neukölln. Am Ende des Besuchs im Böhmischen Dorf meinte der Botschafter: „An diesem Beispiel zeigt sich einmal mehr, dass Einwanderer positiv zur Entwicklung einer Gesellschaft beitragen können.“ SB
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