Initiative und Quartiersrat kämpfen für weniger Verkehr

Sie kämpfen für eine Verbannung des Durchgangsverkehrs aus dem Richardkiez und halten insbesondere verkehrsberuhigende Maßnahmen am Böhmischen Platz für notwendig: Die Anwohner Denis Petri (von links), Saskia Ellenbeck, Michael Anker, Thomas Stein, Karsten Schulze und Lion Hirth. (Foto: Sylvia Baumeister)

Neukölln. Mit verschiedenen Maßnahmen sollen der Durchgangsverkehr und die Geschwindigkeitsüberschreitungen im Richardkiez eingedämmt werden, fordern der dortige Quartiersrat und das Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln in einem offenen Brief, den sie an mehrere Politiker richteten.

Eigentlich müsste der Verkehr relativ ruhig durch die kleinen Straßen des Richardkiezes fließen, denn hier gilt überwiegend die Tempo-10-Regel. Tatsächlich empfinden viele der hier lebenden Menschen das aber anders. „Viele Autofahrer nutzen die kleinen Straßen als Abkürzung und halten sich nicht an das Tempolimit“, meint Denis Petri. Der Bewohnervertreter im Quartiersrat (QR) Richardplatz Süd hat die Nase voll vom Durchgangsverkehr. Damit steht er nicht allein. Über 50 Mitglieder, darunter Schulen, Kitas, Unternehmen und Vereine, haben sich dem Mitinitiator des Netzwerks für ein Fahrradfreundliches Neukölln und seinen Forderungen angeschlossen, auch der Quartiersrat.

Denis Petri und seine Mitstreiter fordern vom Bezirk und vom Land Berlin geeignete Maßnahmen, um den Autoverkehr im Richardkiez wirksam zu beruhigen. Dazu gehören: Eine Einschränkung des Durchgangsverkehrs durch bauliche und verkehrsführende Maßnahmen, wie beispielsweise eine Sperrung der Durchfahrt zwischen Karl-Marx-Platz und Richardplatz, wo es für Radfahrer besonders gefährlich sei. An der Saalestraße müsste zudem die Ampelschaltung geändert werden. „Dort staut sich der Verkehr meist die ganze Straße entlang durch abbiegende Fahrzeuge. Viele weichen deshalb auf die Braunschweiger Straße aus, wo besonders schnell gefahren wird“, meint Michael Anker, Sprecher des QR.

Zudem sei eine Umgestaltung der Plätze im Richardkiez notwendig. Damit Kinder und mobilitätseingeschränkte Personen eine bessere Sicht auf die Straße erhalten und nicht von parkenden Autos eingeschränkt werden, solle es zum Beispiel Fahrradbügel an Kreuzungen geben. „Vor allem der Böhmische Platz ist meist komplett eingeparkt und hat ringsum viel zu viel Verkehr“, findet Denis Petri. Ein offener Brief mit den Forderungen des QR und des Netzwerks wurde Ende April an Bürgermeisterin Franziska Giffey, Baustadtrat Thomas Blesing, Senator Andreas Geisel und Staatssekretär Christian Gaebler (alle SPD) sowie an die Fraktionen des Bezirksparlaments (BVV) und der Berliner Politik gesendet.

Eine Antwort

Eine Antwort darauf kam bisher nur von Jochen Biedermann, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen in der BVV. Seine Fraktion unterstütze die Forderungen des Quartiersrates, für die die Grünen in der BVV bislang jedoch keine Mehrheiten finden konnten, schrieb Biedermann. Als Reaktion auf den Brief laden Giffey und Blesing nun am 6. Juli von 18 bis 20 Uhr alle Radverkehrsinteressierten zur Infoveranstaltung „Neukölln fährt Rad“ mit Diskussion ins Rathaus ein. Dort sollen bisherige und geplante Maßnahmen zum Ausbau des Radwegenetzes vorgestellt werden.

Denis Petri meint dazu: „Ich denke nicht, dass eine auf ganz Neukölln bezogene Veranstaltung zum Thema Fahrrad geeignet ist, konkrete verkehrsberuhigende Maßnahmen in einem bestimmten Kiez zu besprechen. Ich sehe darin auch keine adäquate Antwort auf den offenen Brief des Quartiersrates.“ Der Stadtrat sei aber herzlich zur Kiezversammlung am 7. Juli um 18 Uhr in der Mensa der Richardgrundschule am Richardplatz 14 willkommen, um sich vor Ort über die Situation zu informieren. Dazu lädt das Netzwerk in Kooperation mit dem QM alle Anwohner ein, um zu erörtern, wie der Kiez für Fußgänger und Radfahrer sicherer und freundlicher gestaltet werden kann. SB

Infos beim QM unter  68 05 85 85.
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