Grüne Politiker stellten ihre Ideen für eine neue Verkehrspolitik vor

Die Berliner Straße am Bahnhof Pankow ist für Fahrgäste nicht ganz ungefährlich. Deshalb wird über den Aufbau von Drängelgittern nachgedacht. (Foto: Bernd Wähner)
 
Auf Einladung der Verordneten Cordelia Koch diskutierten Vollrad Kuhn (rechts) und Stefan Gelbhaar im Zimmer 16 über Verkehrspolitik für Pankow. (Foto: Bernd Wähner)
Berlin: Zimmer 16 |

Pankow. Wie kann sich in Pankow eine Verkehrswende vollziehen? Über diese Frage diskutierten der neue Stadtentwicklungsstadtrat Vollrad Kuhn und der Abgeordnete Stefan Gelbhaar (beide Bündnis 90/Die Grünen) mit Pankowern im Zimmer 16, Florastraße 16.

Die derzeitige Situation im Bezirk ist alles andere als zufriedenstellend. Jeden Morgen rollt eine Blechlawine aus dem Land Brandenburg und den nördlichen Ortsteilen durch Pankow Richtung Innenstadt. Und abends zurück. Radfahrer sammeln sich ab dem Pankower Anger, um in Scharen Richtung Mitte zu radeln. Auch der öffentliche Nahverkehr ist überlastet. In den Straßenbahnlinien M1 und 50 fühlen sich die Fahrgäste häufig wie Sardinen.

Das Stichwort „Flächengerechtigkeit“ macht die Runde. Man müsse sich genauer anschauen, wie viel Raum die Nutzer der öffentlichen Verkehrsflächen einnehmen, wenn sie sich von A nach B bewegen, so die bündnisgrüne Bezirksverordneten Cordelia Koch. Was braucht es an Fußwegen, was an ÖPNV-Ausbau, was an Radwegen, und wie viel Raum muss Autos noch zur Verfügung stehen?

Um eine Verkehrswende einzuleiten, wolle die neue Regierungskoalition ein neues Mobilitätsgesetz auf den Weg bringen, sagt Stefan Gelbhaar. Doch was sollte sich konkret in Pankow tun? Ein Schwerpunkt müsse die Verringerung des individuellen Autoverkehrs sein, meint Gelbhaar. Das könnte unter anderem mit dem Ausbau von Carsharing passieren. „Das findet in Pankow bisher fast ausschließlich innerhalb des S-Bahnrings statt. Von dieser Möglichkeit ist also bisher die Hälfte der Pankower ausgeschlossen. Hier muss sich etwas ändern.“

Immer mehr Pankower steigen inzwischen aufs Fahrrad um. Deshalb müsse man auch überlegen, wie auf Straßen wie der Schönhauser Allee der Verkehr zugunsten von Radfahrern neu geordnet werden kann, so Gelbhaar. Und natürlich müsse der ÖPNV so ausgebaut werden, dass er noch attraktiver wird. Wer nördlich der Breiten Straße wohnt, fühlt sich vom ÖPNV abgehängt. Vollrad Kuhn bekräftigt, dass sich hier etwas ändern müsse. Deshalb habe die rot-rot-grüne Zählgemeinschaft zum Beispiel auch die Verlängerung von Straßenbahnlinien vereinbart.

Ein Thema, das viele Pankower bewegt, ist die Situation an der Bus- und Straßenbahnhaltestelle am Bahnhof Pankow. Vor allem stadtauswärts ist hier der Haltestellenbereich häufig überfüllt. Viele Fahrgäste laufen außerdem vom Bahnhofsausgang über die Straße zur Haltestelle, ohne die Ampel zu benutzen. Eine große Unfallgefahr. Hier müsse im Interesse der Verkehrssicherheit eine Lösung gefunden werden, meinen Kuhn und Gelbhaar. Da werde man wohl nicht um den Bau von sogenannten Drängelgittern herumkommen.

Zum Ende der Veranstaltung gab Vollrad Kuhn dann noch einen Überblick, was er in seiner Amtszeit als Stadtrat in puncto Verkehr in Pankow umsetzen möchte. Dazu gehören mehr Tempo-30-Abschnitte auf Hauptstraßen, die Reduzierung des Auto-Durchgangsverkehrs durch den Bezirk, die Umsetzung von Shared-space-Projekten, mehr Ladestationen für Elektroautos im öffentlichen Raum sowie intelligente Verkehrsanbindungen für neue Wohngebiete.

Vor allem bei der intelligenten Verkehrsanbindung neuer Wohngebiete kam dann auch das Projekt Pankower Tor ins Gespräch. Für dieses müsse eine vernünftige Verkehrslösung gefunden werden, so Kuhn. Und dann stellte Stefan Gelbhaar eine Forderung auf, die wohl noch für Diskussionsstoff sorgen wird. Er kritisiert, dass an den geplanten Möbelhäusern des Investors Kurt Krieger viele Parkplätze entstehen sollen, obwohl es ÖPNV-Alternativen gibt. Er fordert stattdessen: „Entweder gibt es ein Möbelhaus ohne Parkplätze. Das wäre dann das erste seiner Art in Deutschland. Oder es gibt gar kein Möbelhaus.“ Weil für die Fläche noch kein Baurecht bestehe, könne die Stadt Berlin hier Einfluss nehmen. BW
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