Seit Jahren mischt der Bürgerverein Pro Kiez bei der Gestaltung des Bötzowviertels mit

Über 3000 Besucher kamen zum Sommerfest „Stierisch gut“ im vergangenen Jahr auf den Arnswalder Platz. Organisiert wurde das Ganze vom Verein Pro Kiez Bötzowviertel. (Foto: Bernd Wähner)
 
Michael Picconatto und Margot Lemmnitz gehören zu den Ehrenamtlichen, die die Kurt-Tucholsky-Bibliothek im Bötzowviertel offen halten.  (Foto: Bernd Wähner)
Berlin: Bötzowviertel |

Prenzlauer Berg. Es liegt zwischen der lauten und qirligen Greifswalder Straße und dem idyllischen Volkspark Friedrichshain: das Bötzowviertel. Noch vor 20 Jahren bröckelte hier von vielen Häusern der Putz und viele Läden standen leer. Inzwischen zählt der Kiez zu den beliebtesten Wohngegenden Berlins. Über das, was sich im Kiez tut, und über Menschen, die hier leben und arbeiten, berichten wir in den nächsten Ausgaben in unserer Serie „Unser Kiez – Rund um die Bötzowstraße“.

Es begann mit einer Rettungsaktion. Das Bezirksamt wollte die Bibliothek im Kiez schließen. Bürger gründeten den Verein Pro Kiez Bötzowviertel. Die Rettung der Kurt-Tucholsky-Bibliothek gelang. Inzwischen ist der Pro Kiez Bötzowviertel einer der rührigsten Bürgervereine im Bezirk. „Wir kümmern uns inzwischen um weit mehr als die Bibliothek“, sagt Klaus Lemmnitz.

Der 69-Jährige ist ein Kiez-Urgestein. Schon zu DDR-Zeiten engagierte er sich für seinen Kiez. Als Anfang der 90er-Jahre das Bötzowviertel zum Sanierungsgebiet erklärt wurde, mischte er in der Betroffenenvertretung mit. Diese begleitete die Sanierung des Quartiers. Vieles ist inzwischen erreicht. Sanierungsgebiet ist das Bötzowviertel seit fünf Jahren nicht mehr.

Fast alle Häuser sehen schick aus. Echter Ladenleerstand? Fehlanzeige! Im Gegenteil. Durch die Hufelandstraße kann man inzwischen bummeln. Dort und in der Bötzowstraße ließen sich viele Gastronomen nieder. Bei schönem Wetter sind die Tische und Stühle vor den Cafés, Bistros und Gaststätten voll besetzt. Der Kiez hat sich verändert. Und auch seine Bevölkerung.

In den über 3600 Wohnungen leben heute nur noch wenige Altmieter. Vor allem Familien zog es ins Quartier. Die Zahl der Kinder nimmt stetig zu. Das merkt man an übervollen Kitas, Kinderläden und an der voll ausgelasteten Homer-Grundschule. Trotzdem ist der Zusammenhalt zwischen alteingesessenen und neuen Bewohnern groß. „Das liegt auch ein Stückweit am Ursprung unseres Bürgervereins, dem Kampf um die Bibliothek“, meint Klaus Lemmnitz. „Da ging es ausschließlich um die Sache. Keiner wurde gefragt, wie lange er hier lebt. Auch Partei- oder Kirchenzugehörigkeit spielten keine Rolle. Wir wollten gemeinsam etwas erreichen. Erst später haben wir uns über unsere Lebensgeschichten ausgetauscht.“

Die Bibliothek in der Esmarchstraße 18 wird im achten Jahr von Ehrenamtlichen betrieben. „Das sind etwa 30 Leute, die hier engagierte Arbeit leisten“, so Lemmnitz. Aber das war nur der Anfang für den Bürgerverein. Recht bald fanden sich Kiezbewohner, die Lesungen in der Bibliothek organisierten. Das kam so gut an, dass die Veranstaltungsschiene breiter wurde. Inzwischen gibt es im Verein eine AG Kultur, die ein vielfältiges Programm organisiert.

Im Alltag merkten Kiezbewohner, dass im Kiez noch einiges verändert werden muss: Spielplätze sind zu sanieren, Verkehrsprobleme zu lösen und der Neubau einer Sporthalle zu begleiten. „Deshalb gründete sich im Verein eine AG Bürgerbeteiligung, die sich um solche Themen kümmert“, berichtet der Vereinsvorsitzende. Außerdem organisierte 2013 eine AG Sommerfest zum ersten Mal das Fest „Stierisch gut“ rund um den Stierbrunnen auf dem Arnswalder Platz.

„Bei uns gibt es immer wieder neue Ideen“, sagt Klaus Lemmnitz. „Daran merkt man, wie lebendig der Kiez ist. Demnächst werden wir eine AG Kiezgeschichte gründen.“ Zum Auftakt wird es am 1. Februar um 19.30 Uhr einen Vortrag mit Dr. Martin Albrecht geben. Er wird in der Bibliothek über das Wirken der Familie Bötzow berichten, und bei dieser Gelegenheit ist die AG-Gründung geplant.

Wenn Klaus Lemmnitz über die Vereinsaktivitäten berichtet, schwingt Stolz in seiner Stimme mit. „Zu unseren Veranstaltungen kommen immer mehr Leute“, sagt er lächelnd. „Es entstehen aus dem Engagement für den Kiez viele neue Freundschaften. Diese Entwicklung motiviert mich“, sagt er. Weitere Informationen zum Verein Pro Kiez Bötzowviertel gibt es auf www.prokiez.de. BW

0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.