Barrierefreies Gärtnern : Ein neues Projekt bringt Menschen mit und ohne Behinderung zusammen

Jeder hilft nach seinen Möglichkeiten: Detlef Hempel packt tatkräftig an.
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Alt-Hohenschönhausen. Den grünen Daumen in sich entdecken, dazu laden die Hochbeete im Interkulturellen Garten in der Liebenwalder Straße 12 ein. Die Anlage erleichtert Rollstuhlfahrern das Gärtnern.

Bevor Detlef Hampel beherzt an die Schaufel greift, rückt er seine Kappe auf dem Kopf zurecht. Dann nimmt er mit dem Schaufelblatt ordentlich Erde aus der Schubkarre auf und hievt die Erdkrumen auf das auf seiner Brusthöhe befindliche Beet. Keine einfache Arbeit, doch der 68-jährige lacht: „Ich ackere gerne“, sagt Hampel und erzählt, er hätte früher auch in der Landwirtschaft geholfen, Kartoffeln zu pflanzen oder Mais.

Die Hochbeete der Aktion Mensch bieten ihm nun die willkommene Möglichkeit, jetzt in seiner Freizeit zu gärtnern und sich dabei mit anderen auszutauschen. Auch die 73-jährige Heidi Schulze ist glücklich, hier Erinnerungen aus dem elterlichen Garten auffrischen zu können. Sie sitzt im Rollstuhl und ist in ihrer Bewegung eingeschränkt. Doch weil die Hochbeete unterfahrbar sind, kann auch sie am Beet arbeiten. „Am liebsten pflanze ich Blumen. Manche nehme ich mit nach Hause“, erzählt sie.

Barrierefreies Gärtnern – wie das geht, zeigt ein neues Projekt. In Zusammenarbeit mit der Spastikerhilfe Berlin und der Stiftung SozDia sind im Interkulturellen Garten in der Liebenwalder Straße 12-16 im vergangenen Jahr drei Hochbeete im hinteren Teil des Gartens entstanden.

Mitarbeiter der Werkstatt für Menschen mit Behinderung haben sie auf rund einen Meter Höhe konzipiert und balkonartig gebaut. So können auch Rollstuhlfahrer die Konstruktion teilweise unterfahren und sind mit ihren Händen näher an Pflanzen und Erde dran. Um die Hochbeete herum wurde zudem der Boden verstärkt, sodass die Räder der Rollstühle nicht einsinken können.

„Es ist ein Gemeinschaftsgarten, und er soll einfach der Erholung dienen. Dabei kann jeder mitmachen. Das Projekt ist auch für nicht behinderte Menschen gedacht“, sagt Kathrin Krug, Leiterin des Bürgertreffs der Spastikerhilfe aus der Schöneicher Straße 10A. Die Hochbeete ermöglichen ein bequemeres Arbeiten ohne Bücken.

Für gärtnerische Fragen steht Sybille Jünger bereit. Sie begleitet die Gärtner: „Was wir pflanzen, das bestimmen die Teilnehmer. Jeder kann Vorschläge machen“, sagt sie. Von Kartoffeln über einen Kürbis bis hin zu Blumen – in der ersten Saison 2016 haben die Gärtner schon einiges ausprobiert. Ein Garten-Tagebuch vor Ort zeugt von den Erfahrungen der Gärtner, die in der neuen Saison gerne mehr Gleichgesinnte in ihrem Projekt begrüßen möchten. In diesem Jahr entfällt noch der Pachtbeitrag, allein ein kleiner Unkostenbeitrag für den Kauf von Pflanzen oder Saatgut ist fällig.

Ein Highlight sind kleine Feste und der gemeinsame Austausch bei den unregelmäßigen Treffen. KW

Weitere Infos im Bürgertreff der Spastikerhilfe unter  34 40 90.

Autor:

Karolina Wrobel aus Lichtenberg

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