Neorenaissance im Wuhlgarten
Krankenhausbauten stehen seit 30 Jahren unter Denkmalschutz

Das Haupthaus des ehemaligen Griesinger-Krankenhauses gehört zu den Gebäuden, die von Hermann Blankenstein entworfen wurden.
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  • hochgeladen von Harald Ritter

Vor 30 Jahren wurden die Gebäude des Wilhelm-Griesinger-Krankenhauses unter Denkmalschutz gestellt. Das Bauensemble gehört zu den wichtigsten Zeugen der Geschichte des Bezirks und ist eins seiner optisch attraktivsten Anlagen.

Die Gestaltung des Krankenhausgeländes lag in den Händen des Berliner Baustadtrates und Architekten Hermann Blankenstein (1829-1910). Nach seinen Plänen ließ die Stadt Berlin von 1890 bis 1893 außerhalb der Stadtgrenze bei Biesdorf eine sogenannte Anstalt für Epileptische Wuhlgarten bauen. Alle Gebäude wurden im Stil der Neorennaissance errichtet, außerdem verbunden durch eine gemeinsame Farbgebung in roten und gelben Backsteinen.

Die Krankenhausgebäude wurden im Juni 1989 unter Denkmalschutz gestellt, als das Krankenhaus den Namen von Wilhelm Griesinger (1817-1868) trug. Griesinger gilt als einer der Begründer der modernen, wissenschaftlichen Psychiatrie in Deutschland. Das anlässlich seines 100. Todestags nach ihm benannte Krankenhaus war eine der profiliertesten Einrichtungen zur Behandlung von Suchtkranken in der DDR.

Blankenstein richtete seine Pläne nach den Überlegungen Griesingers von einer zeitgemäßen Gestaltung von psychiatrischen Einrichtungen aus. Diese sahen auf dem rund 100 000 Quadratmeter großen, weitläufigen Gelände neben Gebäuden für die Behandlung auch Möglichkeiten zur Arbeitstherapie und Orte zur Erholung in der parkähnlichen Anlage an der Wuhle vor. Er ließ getrennte Unterbringungsmöglichkeiten für Männer und Frauen, landwirtschaftliche Einrichtungen mit Nutzflächen und Gebäuden für Tierhaltung bauen. Es gab ein autarkes Versorgungssystem für Trinkwasser, Abwasser, für Energie und Heizung. Die Ärzte konnten in sogenannten Landhäusern am Rande des Geländes wohnen. Mit späteren Ergänzungsbauten wuchs die Zahl der Gebäude auf rund 50 an.

Während der Nazi-Diktatur war die Anstalt für Epileptische auch ein Ort, in dem das Euthanasie-Programm zur Vernichtung sogenannten unwerten Lebens umgesetzt wurde. Bei Bombenangriffen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges und infolge kriegsbedingter Krankheiten kamen zahlreiche Menschen ums Leben und wurden auf dem Gelände beigesetzt. Hieran erinnern mehrere Tafeln.

Das Griesinger-Krankenhaus wurde 1992 aufgelöst. Die Verantwortung für das Gelände bekam der Klinikkonzern Vivantes. Er betrieb einen Teil der Gebäudes zusammen mit dem Krankenhaus Kaulsdorf bis 2015 als Klinikum Hellersdorf weiter. Ein anderer Teil des Geländes wurde vom neu erbauten Unfallkrankenhaus Berlin (ukb) übernommen. Einige Gebäude, übernahm die Wuhletal gGmbH, und betreut hier noch heute Suchtkranke.

Die Krankenhauskirche, Haus 33, ist heute einer der lebendigsten Veranstaltungsorte im Bezirk. Hier findet beispielsweise am Sonnabend und Sonntag, 13. und 14. Juli, jeweils von 13 bis 18 Uhr ein Markt für Kunst und Handwerk statt. Am Sonnabend gibt es um 16 Uhr ein sommerliches Swingkonzert mit dem Ensemble “Kaulsdorf Brass”. Der Marzahner Kammerchor singt am Sonntag um 16 Uhr.

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