Spandau ehrte seine besten Sportler

Schlauchbootslalomfahrer Tim Berlin (links) ist erst sieben. Sein Teamkamerad Marcel Berger zwei Jahre älter.
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  • Schlauchbootslalomfahrer Tim Berlin (links) ist erst sieben. Sein Teamkamerad Marcel Berger zwei Jahre älter.
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Spandau. Auf sportliche Erfolge ist der Bezirk besonders stolz. Deshalb ist die Ehrung herausragender Athleten immer ein besonderer Termin im Jahreskalender.

Am 19. Januar wurden in den Italienischen Höfen auf der Zitadelle die Besten der vergangenen zwölf Monate ausgezeichnet. Aber es ging auch um vielversprechenden Nachwuchs, ehrenamtliches Engagement, einen zweifachen Goldmedaillengewinner und die Sportlerin des Jahres.

Die Preiswürdigen: Rund 200 Sportler waren eingeladen. Unter ihnen alle Sieger bei Berliner oder Deutschen Meisterschaften oder mit vorderen EM- oder WM-Platzierungen.

Die Sportarten: Erfolge gab es in 20 Sportarten – von Badminton über Judo, Kegeln, Rhythmische Sportgymnastik bis Wushu. Stark vertreten waren Leichtathleten, Motorsportler und neben Schwimmern weitere Aktive, deren Disziplin etwas mit Wasser zu tun hat.

Die Jüngsten: Das waren Jasmin Tetzlaff und Tim Berlin. Beide sind sieben Jahre alt und bereits Berliner Meister. Jasmin, vom Spandauer Radsportverein holte sich den Titel im 1er-Kunstradfahren. Tim (Berliner Wassersportvereinigung) war der Beste im Schlauchbootslalom.

Junge Talente: Es gibt viele junge Talente in den Spandauer Vereinen. Zum Beispiel Nora Peuser (18) von der Ruder-Union-Arkona, die bereits als eine der größten deutschen Ruderhoffnungen gilt. Oder Boxer Quadrat Ramuzi (17, SBC 26). Der Flüchtling aus Afghanistan steht gleichzeitig für Integration durch den Sport.

Die Älteste: Weil einige Aktive mit noch mehr Jahren absagen mussten, ging dieser Titel an Helga Jeschke (79). Die Ruderin hat zum zweiten Mal den Äquatorpreis geschafft. Das bedeutet, sie legte im Lauf der Jahre mehr als 40 000 Kilometer im Boot zurück.

Internationale Erfolge: Dr. Matthias Kribben vom Schachclub Zitadelle siegte bei der Weltmeisterschaft im Fernschach. Tina Dauben (TSV Spandau 1860) holte mit dem deutschen Ü45-Volleyballteam ebenfalls den WM-Titel. Hagen Jerzinsky (Motor Rennboot Club Berlin) war bei der EM nicht zu schlagen. Drei Mal Europas Beste in ihrer Altersklasse wurde Kanutin Katharina Berger-Landefeldt (KC Charlottenburg). Außerdem erpaddelte die 64-Jährige einen zweiten und einen dritten Platz. René Kirchhoff (KSV Havelbrüder) erreichte mit der deutschen Kanupolo-Nationalmannschaft Platz zwei bei der Weltmeisterschaft. Die Speerwerferin Andrea Zahn (VfV Spandau) gewann die Hallen-Europameisterschaft Ü45, ihr Vereinskollege Andreas Contag die Vizeweltmeisterschaft über 4x100 Meter.

Sportförderung: Der Unternehmer Andreas Contag ist auch einer der Initiatoren des im August gegründeten Netzwerks "Spitzensport Spandau". Dessen Ziel: Unterstützung für die Athleten – nicht nur finanziell, sondern auch bei Ausbildung, Praktikum, Wohnungssuche oder Mobilität.

Massimo Rossi konnte nur posthum geehrt werden. Der Motorboot-Weltmeister und Mitglied des Motor Rennboot-Clubs Berlin starb am 2. Oktober bei einem Rennen auf der Mosel. Er wurde nur 24 Jahre alt.

Spandauer Domäne: Spandau hat sich schon lange zu einer Hochburg des Modernen Fünfkampfs entwickelt. Auch im vergangenen Jahr erreichten Athleten wie Alexandra Bettinelli und Rebecca Langrehr (beide TSV Spandau 1860) oder Alexander Nobis (Wasserfreunde Spandau 04) Erfolge bei nationalen und internationalen Meisterschaften. In Erinnerung blieb ebenfalls der nicht unbedingt erwartete fünfte Platz von Annika Schleu (TSV 1860) bei den Olympischen Spielen in Rio.

Sportlerin des Jahres: Da war es dann auch keine allzu große Überraschung, dass Annika Schleu diese Wahl für sich entschied. Der Titel wurde nach einer Abstimmung unter den Teilnehmern der Sportlerehrung vergeben. Auch die weiteren Kandidatinnen kamen alle aus dem Bereich des Modernen Fünfkampfs. Und bereits 2015 und 2014 waren mit Lena Schöneborn sowie 2013 mit Alexandra Bettinelli Vertreterinnen dieser Sportart Sportlerin des Jahres geworden.

Olympische Ehren: Wer die Wahl zur Sportlerin des Jahres gewonnen hatte, wurde von Marcus Groß verkündet. Der zweifache Kanu-Olympiasieger von Rio war Ehrengast der Veranstaltung. Auch weil seine Goldmedaillen zumindest teilweise Spandau gutgeschrieben werden können: Bis zum vergangenen Jahr gehörte er zum Spandauer Ruder- und Kanuverein (RKV 1928), wechselte dann nach Grünau. Mit der Übergabe eines "Brückenpasses" wurde er symbolisch von Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) wieder in den Havelbezirk eingemeindet.

Spitze durch Breite: Marcus Groß ist abseits dieses Zeremoniells noch anderes wichtig. Der Sport lebe nicht nur von Spitzenathleten, sondern auch von vielen "Wasserträgern" und insgesamt von einer großen Breite. Ebenso gelte das für die Trainer, deren Leistungen oft zu wenig gewürdigt werden. Und nicht zu vergessen die vielen die Ehrenamtlichen. Zu ihnen gehörten auch Andreas Lampertius (Sport-Hasen-Spandau) sowie Wieland Pleuger und Hans-Gerhard Kolat (Ruderclub Friesen), die für ihren Einsatz ebenfalls ausgezeichnet wurden.

Staffelübergabe: Zelebriert wurde die Sportlerehrung in den vergangenen Jahren stets von Bürgermeister Helmut Kleebank und dem bisherigen Sportstadtrat Gerhard Hanke (CDU). Am 19. Januar agierte dieses Duo zum letzten Mal. Der Rathauschef ist jetzt auch direkt für den Sport verantwortlich, Hanke hat andere Aufgaben übernommen. Was bleiben wird, ist wohl auch künftig die Visitenkarte, die der Bezirk mit dieser Veranstaltung abgeben will. tf

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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