Zeitreise durch die ehemalige Landhauskolonie
Neuer Bildband über den Ortsteil bewegt sich zwischen 1890 und 1960

Der Friedenauer Turnverein auf dem Wilmersdorferplatz 1896.
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  • Der Friedenauer Turnverein auf dem Wilmersdorferplatz 1896.
  • Foto: aus dem besprochenen Band
  • hochgeladen von Karen Noetzel

Es ist das Ergebnis einer 40jährigen Sammlerleidenschaft, eine Hommage an das geliebte Wohnviertelund seinen eigentlichen „Gründungsvater“.

„Der Geist von Friedenau“ hat die Edition Friedenauer Brücke ihre Neuerscheinung überschrieben. Der Leser wird zu einer „Zeitreise durch das Labyrinth des Herrn von Carstenn 1890-1960“ eingeladen. Wobei im Buch an erster Stelle die Verwunderung darüber zum Ausdruck kommt, dass dem Begründer Friedenaus, Johann Anton Wilhelm von Carstenn (1822-1896), bis heute kein Straße, kein Platz gewidmet ist und keine Gedenktafel an ihn erinnert. Es mag an Carstenns widersprüchlicher Persönlichkeit liegen. Seinen Zeitgenossen galt er als „rücksichtsloser Kapitalist“, „geldgieriger Immobilienhai“, „Napoleon der Terrain-Speculanten“. Später war man nachsichtiger, lobte ihn als „wagemutigen Visionär“, „genialen Städteplaner“ und „weitsichtigen Baupionier“.

Vier Jahrzehnte hat Evelyn Weissberg historische Fotos und Ansichtskarten aus der einstigen Landhauskolonie vor den Toren Berlins zusammengetragen. Nun sind 700 auf 288 Seiten versammelt. Spektakuläres oder touristisch Sehenswürdiges ist nicht dabei. Vielmehr findet man das Besondere im Alltäglichen. Die meisten Bilder stammen von heute unbekannten Fotografen. Bekannte Namen sind Fritz Eschen, Georg und Otto Haeckel, Philipp Kester, Max Missmann, Willy Römer, Alexander Stöcker und Waldemar Titzenthaler.

Zu den Fotografien gesellen sich über 500 Auszüge aus Erinnerungen, Tagebüchern und Briefen, Zeitungsmeldungen und Artikeln, die damals im „Friedenauer Lokal-Anzeiger“ erschienen, aus Romanen, Erzählungen, Gedichten, Chansons und Liedern.

Die Bandbreite dieser Lebenszeugnisse reiche von der Beschwörung des Ortes als „paradiesisches Idyll“ bis hin zur Abrechnung als „völkischer Drahtverhau“, von trivialen, bisweilen auch kuriosen Episoden bis zu ergreifenden Momenten“, heißt es im Bildband. „Wir erleben die Menschen in ihrem Alltag, in ihrer bierseligen Gemütlichkeit, aber auch in ihrem Leid in einer aus den Fugen geratenen Welt.“

Die Autoren Evelyn Weissberg und Hermann Ebling sprechen von der Komposition ihres Buchs, von einem Kaleidoskop, das den „noch etwas anderen Geist“ Friedenaus spüren lässt. Auf Entdeckungsreise geht man entlang dreier Straßenzüge und ihrer Umgebung. Der Weg führt entlang der Handjerystraße, der Kaiserallee, der heutigen Bundesallee, und der Stubenrauchstraße. Sie sind das Gerüst der „Carstennschen Figur“ des Wohnviertels. Bilder und Texte aus verschiedenen Epochen stehen nebeneinander und überlagern sich. Bunt gemischt sind die Themen des Bildbands. Der Bogen spannt sich von Adel und Monarchie, Baugeschichtlichem und Dienstboten über das „idyllische Friedenau“ und jüdisches Leben, Kapp-Putsch und Kinder bis hin zu Kuriosem, Literarischem, Luftaufnahmen und Tieren.

Der Bildband für 49 Euro kann bei der Edition Friedenauer Brücke unter www.friedenauer-bruecke.de portofrei bestellt werden.

Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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