Der Verein „Artistas latinoamericanos“
Südamerika in Berlin

Das waren Zeiten! Ala-Vereinsvorsitzender Waldo Alvizuri-Borda vor Veranstaltungsplakaten mit prominenten Künstlern.
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  • hochgeladen von Karen Noetzel

Ist das hier eine Veranstaltungsagentur oder eine Wohnung? Bei Waldo Alvizuri-Borda in Friedenau ist es beides – und noch mehr. Sein Wohnzimmer ist die Zentrale des Vereins lateinamerikanischer Künstler. Und der Bolivianer ist die Seele des Vereins.

Der Verein „Artistas latinoamericanos“, kurz „ala“, leistet seit 36 Jahren Kulturarbeit in Berlin. Er ist eine Mischung aus Veranstaltungsagentur, Kultur- und Hilfsverein.

Es begann 1983. Studenten der Hochschule der Künste, der heutigen Universität der Künste (UdK), aus Argentinien, Brasilien, Uruguay, Paraguay, Venezuela und Mexiko gründeten „ala“. Das Bild Lateinamerikas in Deutschland wurde von den Diktaturen auf dem Kontinent geprägt. Die Musik- und Kunststudenten aber wollten zeigen, wie reich das Kulturleben in Südamerika trotz Repression ist. Sie wollten Malerei, Musik, Tanz, Theater und Literatur ihrer Heimatländer präsentieren. Und sie hatten das Ziel, die traditionell guten deutsch-lateinamerikanischen Beziehungen durch interkulturellen Dialog zu vertiefen. Im Wirtschaftswissenschaftler Waldo Alvizuri-Borda, der 1969 nach Berlin gekommen war, fanden die Vereinsgründer den Macher, bei dem seither die Fäden zusammenlaufen.

Zu seinen Hochzeiten hatte „ala“ bis zu 2000 Mitglieder. Der Verein bot Kurse in Spanisch, für Tango-Milonga, Gitarre oder Percussion an. Er konnte prominente Künstler wie Joan Baez, Mercedes Sosa oder Paco de Lucía für stadienfüllende Konzerte gewinnen. Mit einem Teil der Einnahmen finanzierte „ala“ für drei Jahre Bau und Betrieb eines Kindergartens in Nicaragua. Erzieherinnen und Erzieher kamen aus Berlin. Hier liegt das soziale Engagement des Vereins.

Die Kita in Nicaragua wird längst von Einheimischen geführt. Die lateinamerikanischen Künstler planen jetzt ein ähnliches Projekt in Paraguay. „Wir stehen noch in Verhandlungen mit den örtlichen Behörden über das Grundstück“, sagt Vereinspräsident Waldo Alvizuri-Borda.

„Heute ist es nicht mehr wie früher“, bemerkt er. Seit dem Mauerfall sei das Interesse an Südamerika und seiner Kultur stetig gesunken, bedauert Alvizuri-Borda. Oder anders formuliert: Seit der Wiedervereinigung ist das Angebot an Kulturveranstaltungen in Berlin gewachsen. Die „Artistas latinoamericanos“ haben noch 120 Mitglieder. 40 wirken in einem Chor mit. Seinen nächsten Auftritt hat das Gesangsensemble beim 11. Crelle-Chorfest am 25. Mai.

Freuen würde sich Waldo Alvizuri-Borda, wenn der Verein finanzielle Unterstützung durch den Bezirk erhielte. Aber auch wenn die Mittel knapp sind und er schon mal etwas aus eigener Tasche bezahlen muss, ist die Kulturarbeit äußerst lebendig. So präsentiert „ala“ unter dem Motto „Es wird Sommer“ am 24. Mai die Sol Arte Band mit Poesie und romantischen Liedern aus Lateinamerika und am 25. Mai Salsa mit der Formation „Mi Solar“. Beide Konzerte im Paulsen-Gymnasium, Gritznerstraße 57, in Steglitz beginnen um 20 Uhr. Informationen unter www.ala-ev.de, Telefon 852 81 88, albo.waldo@t-online.de.

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