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Mausohren sind wieder unterwegs
Fledermäuse werden flügge

Das ausgewachsene braune Langohr ist beringt und dokumentiert. Das übernimmt das Artenschutz-Team auf der Zitadelle Spandau.
Das ausgewachsene braune Langohr ist beringt und dokumentiert. Das übernimmt das Artenschutz-Team auf der Zitadelle Spandau. (Foto: BAT-Verein)

Bei den Fledermäusen werden die Jungtiere flügge. Wer ein scheinbar hilfloses Baby entdeckt, sollte es aber nicht mitnehmen. Davor warnt das Artenschutz-Team auf der Zitadelle. Für ihr Engagement bekamen die Helfer jetzt den Tierschutzpreis.

In den warmen Kinderstuben der Fledermäuse sind die Jungtiere jetzt kräftig genug, um selbst zu fliegen. Die meisten einheimischen Arten bringen ein Junges im Jahr zur Welt, andere Arten wie der Große Abendsegler aber auch schon mal Zwillinge. Ihre Wochenstuben wählen die Fledermäuse mit Bedacht. Warm muss es sein, also kommen bevorzugt Sonnendächer, Fassaden oder Baumhöhlen in Betracht.

Wenn die Jungtiere ihre Kinderstuben verlassen, ist der Kontakt zum Menschen nicht ausgeschlossen. Denn gelegentlich stürzt ein unbeholfenes Tier bei den ersten Flugversuchen unsanft auf einen Balkon oder Gehweg. In der Pflegestation für Fledermäuse des Berliner Artenschutz Teams BAT auf der Zitadelle Spandau steht das Telefon dann erfahrungsgemäß nicht still. Anfang Juni erst mussten Helfer eine ganze Wochenstube von Zwergfledermäusen retten. Die Tiere hatten sich in einem Keller in Heiligensee verflogen.

Vor Katzen und Vögeln schützen

Doch die ehrenamtlichen Helfer können nicht jedem Hilferuf nachgehen. Zumal die Hilfe oft gar nicht nötig ist. Oft reicht es aus, wenn das Baby am Fundort der Mutter in sicherer Position zum Abholen angeboten wird. Denn die Mutter hält meist tagelang Ausschau nach ihrem Nachwuchs und holt ihn noch nach drei oder vier Tagen ab. Der Finder kann helfen, indem er einen „Abholturm“ errichtet, der vor Katzen und Greifvögeln schützt. Das kann zum Beispiel eine große Flasche sein, über die ein Strumpf gezogen wird. Manchmal reicht es auch schon, das Jungtier an eine geschützte Fassade zu hängen.

Wichtig ist es: Das gefundene Tier nicht voreilig aus der Natur entnehmen und in die Pflegestation bringen. Denn das bedeutet oft deren Tod. Schwach behaart und winzig sind die Babys zwar leicht zu erkennen. Allerdings ist nicht jede kleine Fledermaus ein Jungtier. Die Zwergfledermaus zum Beispiel wird ausgewachsen nicht größer als ein Daumen.

Auch Eisvögel und Biber im Fokus

Den „Fledermauskeller“ mit der Pflegestation betreibt der BAT-Verein seit 2003 auf der Zitadelle. Die Ausstellung mit Schaugehegen vermittelt den Besuchern viel Wissenswertes und Spannendes aus der Welt der Fledermäuse. Das Projekt, auch „außerschulischer Lernort“, macht Fledermäuse hautnah erlebbar und zwar ohne mit dem Artenschutz in Konflikt zu geraten. So schützt der Verein die Fledermaus als verfolgte Tierart und macht sie gleichzeitig zum Sympathieträger. Dazu engagiert sich der BAT in und um Berlin in der Freilandbeobachtung, erfasst regelmäßig die Fledermausbestände und setzt mehrere Projekte um, um neue Fledermausquartiere zu schaffen oder bestehende zu erhalten. Der Verein hat aber auch ein Auge auf andere Tiere im „Lebensraum Zitadellengraben“. Der Bau einer Brutsteilwand für Eisvögel oder Nisthilfen, Biberbeobachtungen und die Dokumentation der Tiere gehören ebenfalls zu seiner Arbeit.

Für ihr Engagement sind die Helfer kürzlich belohnt worden. Ende Mai bekamen der BAT-Verein den Berliner Tierschutzpreis. Der ist mit 1000 Euro dotiert.

Weitere Informationen zum Fledermauskeller auf der Zitadelle gibt es unter ¿36 75 00 61 oder www.bat-ev.de.

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